Miele-Geschäftsführer
„Das Unternehmen hat immer Vorrang“

Das Familienunternehmen Miele wird seit seiner Gründung von zwei Familien geführt, die nicht miteinander verwandt sind. Trotz teilweise sehr unterschiedlicher Charaktere hat dies bisher immer geklappt. Im Interview sprechen die Gesellschafter Markus Miele und Reinhard Zinkann über die Führungsstruktur - und erklären, wie sie schwere Konflikte vermeiden.
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Handelsblatt: Herr Zinkann hat mehrfach als Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft von Westfalen den "Preis des Westfälischen Friedens" verliehen. Wie steht es denn um den Frieden bei Miele?

Markus Miele: Sehr gut, sowohl innerhalb der Gesellschafterfamilien als auch zwischen Reinhard Zinkann und mir.

Reinhard Zinkann: Solange ich denken kann, gab es nicht eine einzige Entscheidung, die nicht einstimmig gefällt worden ist.

HB: Das verwundert. Miele gehört zwei Familien, die nicht miteinander verwandt sind. Da sind Konflikte doch programmiert.

Reinhard Zinkann: Überhaupt nicht. Beide Familien nehmen ihren Einfluss durch den paritätisch besetzten "Familienrat" wahr. Er besteht aus sechs Persönlichkeiten, die ihre eigenen beruflichen Erfahrungen und Karrieren einbringen und mit der Geschäftsleitung in einem permanenten und konstruktiven Austausch stehen. Wir haben einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Familienunternehmen: Miele besitzt nur eine Marke, mit der sich jeder Gesellschafter leicht identifizieren kann, deren Produkte jeder benutzt und auf die man ständig stößt. Das vereinfacht vieles.

HB: Die Familie Miele ist mit 51 Prozent beteiligt, die Familie Zinkann mit 49 Prozent. Gibt es Kampfabstimmungen im Gesellschafterkreis?

Miele: Nein, wir diskutieren immer alles vorher aus. Die Familie Miele stellt zwar immer den Vorsitzenden des Gesellschafterrates. Entscheidungen der Gesellschafterversammlung benötigen aber eine Mehrheit von 60 Prozent. Etwas gegen den Willen eines großen Gesellschafters durchdrücken zu wollen, geht langfristig nicht gut. Beide Familien müssen immer an einem Strang ziehen.

HB: Manche Familienunternehmen produzierten negative Schlagzeilen. Sind das nur Einzelfälle?

Zinkann: Es gibt einen betriebswirtschaftlichen Grundsatz: Unternehmen müssen wachsen, sonst sterben sie. Aber sie dürfen das nur so stark tun, wie ihr Eigenkapital mit wächst. Wenn man zusätzliche Chancen nutzen will und dies mit übermäßig viel Fremdkapital finanziert, ist das Hybris. Es gibt große deutsche Familienunternehmen, die zuletzt leider spektakulär schlechte Beispiele waren. Aber im Allgemeinen sind die deutschen Familienunternehmen solide finanziert.

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