Mikroelektronik-Branche
Schweinezyklus hält Anbieter in Atem

Extreme Konjunkturzyklen in der Mikroelektronik sind legendär. Um rechtzeitig auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren zu können, müssen Mittelständler in diesem Bereich regelmäßig ihre Produktpaletten erneuern. Doch trotz aller Vorkehrungen wird die Finanzkrise wohl auch an ihnen nicht spurlos vorrüberziehen.

BREMEN. Frank Bartels krempelt seine Mikrosystemtechnik-Schmiede in Dortmund alle paar Jahre um. „Dann überarbeiten wir unsere Produktpalette, entwickeln neue Pläne und stellen uns neu auf“, sagt der Geschäftführer der Bartels Mikrotechnik GmbH. „Nur so kann man als Mittelständler auf Konjunkturschwankungen reagieren.“ Frank Bartels produziert mit 30 Mitarbeitern unter anderem kleinste Pumpen für Medizintechnik, 2,5 Mio. Euro hat er zuletzt umgesetzt. „In den vergangenen Jahren waren wir auch verstärkt im Consumer-Bereich aktiv, haben zum Beispiel Technik für Beduftungssysteme hergestellt“, sagt Bartels. „Seit einigen Monaten verlagert sich der Bedarf wieder zurück auf die Medizintechnik.“

Die extremen Konjunkturzyklen in der Mikroelektronik sind legendär: Auf schnelle Aufschwünge folgen regelmäßig hohe Überkapazitäten, die den Markt nahezu zusammenbrechen lassen – um eine neue Phase großer Knappheit einzuläuten, die die Preise erneut in die Höhe schnellen lässt. Mikroelektronik-Komponenten unterliegen so stärker als die meisten anderen Industriegüter Preisschwankungen. Gerade für kleine Anbieter ist das Geschäft schwierig, da sie oft von der Nachfrage weniger Konzerne und Chiphersteller abhängen.

„DieMikroelektronik in Deutschland ist auch deshalb von so großen Schweinezyklen geprägt, weil sehr hohe Investitionskosten verhältnismäßig geringen Produktionskosten gegenüber stehen“, erklärt Rolf Winter von der Fachgruppe Mikrosystemtechnik des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Diese Marktdynamik ist schwer zu dämpfen. Sie wirkt aber immerhin schwächer, je mehr man spezialisiert ist.“ Anbieter sollten daher darauf achten, in ihren Nischen zu den drei führenden Unternehmen zu gehören. „Ansonsten ist es besser, die Finger davon zu lassen“, sagt Winter.

Zugleich gilt Mikroelektronik als industrielle Schlüsselbranche für Deutschland: Nach Angaben des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) ist der Staat innerhalb Europas der wichtigste Produktionsstandort. Die Konkurrenz aus Asien ist zwar wesentlich stärker, aber Europa zugleich der zweitgrößten Mikroelektronik-Absatzmarkt. Jeder elfte Chip weltweit stammt heute wertmäßig aus europäischer Fertigung, jeder zweite Halbleiter aus Europa stammt wiederum aus Deutschland. Die extrem forschungsintensive Branche bedient nahezu alle Industriezweige: Neben Autobauern stehen auch IT- und Telekommunikationsfirmen, die Verkehrsbranche, Maschinenbauer und Medizin auf der Kundenliste.

Zugleich ist die Branche von einer Hand voll Großunternehmen und einem Heer an kleinen und mittleren Zulieferern geprägt: Einerseits haben Weltkonzerne wie AMD, Infineon, Qimonda und NXP hier ihren Hauptsitz oder haben sich mit großen Produktions- und Forschungszentren niedergelassen. Andererseits befinden sich rundherum viele kleinere Zulieferer, Forschungsdienstleister und Mikrotechnik-Hersteller, die von den Großen abhängig sind. Insgesamt leistet die Branche mit rund 76 000 Beschäftigten jährlich Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Volumen von acht Mrd. Euro. Von ihren Ergebnissen hängen nach VDE-Einschätzungen heute mehr als 50 Prozent der deutschen Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte ab.

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