Mikroelektronik
Die große Verlockung aus Fernost

Deutsche Chipfabriken zieht es nach Asien. In Fernost ist die Produktion billiger, näher an den Kunden und in der Regel besser staatlich gefördert. Wandern zu viele Fabriken ab, könnte das katastrophale Folgen haben, fürchten Experten. Ganze Industriezweige drohen wegzubrechen.

KÖLN. Andere Branchen haben es vorgemacht. Kaum ein Handy oder Computer wird heute noch in Europa hergestellt. Die meisten Produktionsstätten sind nach Asien verlagert. Auch die Mikroelektronik, einst mit massiver staatlicher Unterstützeung besonders in Sachsen angesiedelt, entwickelt sich in die gleiche Richtung. Immer mehr Chips kommen aus Fernost - Tendenz steigend.

Dort ist die Produktion billiger, näher an den Kunden und in der Regel besser staatlich gefördert. Deutsche Lobbyisten fordern von der Politik, die Hersteller von Mikroelektronik um jeden Preis im Land zu halten. Eine vernünftige Antwort würde dagegen lauten: Spezialisierung. Während man die Massenware künftig aus Fernost importiert, sollte die Produktion für Schlüsselanwendungen gezielt gefördert werden.

Der Produktionsstandort Asien ist auf dem Vormarsch: In Fernost sind derzeit 74 neue Halbleiterfabriken in Planung. Zum Vergleich: In der Europäischen Union sind es fünf, in Deutschland zwei. Bereits heute stellen Taiwan und Singapur weltweit die meisten Chips her. Künftig wird vor allem China seine Kapazitäten ausbauen. Das bestätigt auch das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE), das in der vergangenen Woche auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Demnach entwickelt sich China bis 2020 zum "Gravitationszentrum der Mikroelektronik-Produktion".

Der Verband beklagt diese Entwicklung und warnt vor den Konsequenzen. "Wenn die Chip-Fabriken abwandern, könnten ganze Industriezweige wegbrechen", sagt der VDE-Vorstandsvorsitzende Hans Heinz Zimmer.

Der größte europäische Produktionsstandort der Halbleitertechnologie liegt derzeit in Sachsen. Im Halbleiter-Cluster "Silicon Saxony" erwirtschaften rund 1 200 Unternehmen mit etwa 44 000 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von knapp zehn Mrd. Euro. Darunter sind zahlreiche Mittelständler, die in der kapitalintensiven Mikroelektronik zumeist in Spezialsegmenten, Nischen oder als Zulieferer tätig sind.

Die Bedeutung der Branche liegt in ihrer außerordentlich breiten Anwendung. Ob Navigationsgerät im Auto, Ultraschall für Patienten oder Fernsehgerät. Alles läuft mit Chips. Mehr als 50 Prozent der gesamten deutschen Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte hängen nach VDE-Angaben von der Elektro- und Informationstechnik ab. Und die Mikroelektronik zählt zu den am schnellsten wachsenden Branchen. Das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) rechnet für dieses und das kommende Jahr mit einem jährlichen Anstieg der Weltnachfrage von fast acht Prozent.

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