Mikroelektronik
Staatsgeld für die Forschung

Die deutsche Mikroelektronik-Forschung kann sich durchaus international messen. Das liegt vor allem an der staatlichen Unterstützung. In Deutschland werden innovative Unternehmen besonders gefördert. Das begünstigt längerfristige Forschung, doch für große Projekte fehlt oft das Geld.

AUGSBURG. In den 80er Jahren hatte die deutsche Mikroelektronik die Nase im internationalen Wettbewerb vorn: Siemens kaufte sich mit einer Lizenz von Toshiba in die Speicherchipproduktion ein und IBM stellte den weltweit ersten 4-Megabit Chip vor. "Heute bleibt die deutsche Mikroelektronik als durchdringende Basistechnologie in vielen Branchen eher im Hintergrund", sagt Joachim Burghartz, Leiter des Instituts für Mikroelektronik Stuttgart (IMS Chips). In der Basistechnologie heißt es vor allem Forschen und Entwickeln. Und tatsächlich: Die deutsche Mikroelektronik-Forschung kann sich durchaus international messen, etwa mit den USA - trotz des enormen Unterschieds der beiden Forschungslandschaften.

Was in den USA die Wirtschaft übernimmt, regelt in Deutschland vor allem der Staat. Statt Wissenschaftler auf die Suche nach Privatkapitalgebern zu schicken, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsprojekte mit Steuergeldern. Grundsätzlich ein guter Ansatz, findet Institutsleiter Burghartz. Denn während die Industrie ihre Mittel bei Misserfolg kurzfristig zurückziehen kann, bleibt der Staat einem Projekt meist länger treu. "Allerdings sind die Mittel des Staates oft zu begrenzt für die aufwändigen und teuren Forschungen in der Mikroelektronik", sagt Burghartz, der elf Jahre in den USA gelebt und geforscht hat. Bei der Umsetzung der Forschung in Produkte und Anwendungen hat Deutschland trotzdem die Nase vorn, glaubt der Experte: "Meiner Meinung nach sind wir in Deutschland im Vergleich zur USA insgesamt erfolgreicher darin, wissenschaftliche Entwicklungen in Geld zu wandeln. Es gibt hier nur weniger Leuchttürme."

Den Erfolg bei der Umsetzung deutscher Mikroelektronikforschung rechnet Burghartz dabei vor allem kleinen Einrichtungen zu, wie den Fraunhofer-Instituten oder den Instituten der Innovationsallianz Baden-Württemberg. Deutsche Großforschungszentren wie Max-Planck oder Helmholtz seien oft zu politisch und wenig zugängig für die deutsche Industrie, die vor allem aus kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht.

Wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft in der Mikroelektronik aber sein kann, zeigen die USA. Hier kommen Forschungsgelder vor allem aus der Industrie. Die amerikanische Venture Capital-Kultur erlaubt es Forschern, kurzfristig an viel Geld zu kommen. Amerikanischen Unternehmergeist nennt das Gerd Teepe, Direktor des Dresden Design Center der AMD Saxony LLC & Co.KG: "In den USA bekommt ein guter Wissenschaftler schnell viel Geld für sein Projekt - er muss nur einen Unternehmer von seiner Idee überzeugen." Der Nachteil an solchen flexiblen Geldquellen: Die Industrie will für ihr Geld auch etwas sehen. Und zwar in absehbarer Zeit. "Passiert das nicht, kann die Industrie ihr Kapital schnell wieder vom Projekt abziehen", weiß Teepe. Staatliche Förderprogramme ermöglichen deutschen Forschern dagegen kontinuierliche Forschungen, die auch mal mehrere Jahre dauern können. Für die Basisforschung, gerade in der Nanotechnologie, sei diese lückenlose Förderung ein entscheidender Vorteil, sagt der AMD-Experte.

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