Mikrofinanzierer
Friseure und Schneider kommen in Geldnot

Kleine Kredite mit großer Wirkung: In Entwicklungsländern ermöglichen Kleinstkredite sogenannter Mikrofinanzierer Menschen den oftmals so wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit. Die Branche, bei der auch deutsche Förderbanken eine große Rolle spielen, boomt. Doch immer häufiger spüren auch diese Kreditgeber die weltweite Wirtschaftskrise.

FRANKFURT. Es sind die Geschichten von der Friseurin in Namibia oder dem Schneider in Bangladesh, die den Erfolg brachten. Sie erhielten Kleinkredite, bauten damit ihr Geschäft auf und zahlten die Kredite mit hohen Zinsen brav wieder zurück. "Mikrokredite gehören zu den wirksamsten Instrumenten der Entwicklungspolitik", sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) jüngst in Berlin.

Der Sektor ist mittlerweile nach Angaben der Weltbanktochter Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) auf knapp 13 Mrd. US-Dollar angewachsen. Deutsche Akteure spielen auf dem Gebiet eine gewichtige Rolle: Die weltweit größte Mikrofinanzinstitution ist die deutsche Procredit Holding, die staatliche Förderbank KfW zählt zu den größten Finanzierern für solche Mikrofinanzgeber.

Was in den siebziger Jahren von Nichtregierungsorganisationen gestartet wurde, um den von Banken ignorierten Ärmsten in den armen Ländern überhaupt Finanzdienstleistungen anzubieten, hat sich zu einer globalen Erfolgsgeschichte entwickelt. Spätestens seit dem Nobelpreis für Muhammad Yunus, der die Grameen Bank in Bangladesh 1976 gegründet hatte, ist Mikrofinanzierung auch bei der Großfinanz angekommen. Ob Citigroup oder JP Morgan&Chase, Deutsche Bank oder Société Générale - sie alle haben mittlerweile eigene Abteilungen, die sich mit Mikrofinanzierung beschäftigen und geben eigene Fonds heraus. Pensionsfonds geben mittlerweile gerne einen kleinen Teil ihrer Portfolios. Gutes tun und dabei auch noch anständig Geld verdienen - die Mischung scheint einfach zu gut.

Viele Akteure in der Mikrofinanzwelt begrüßen das private Kapital, um die Reichweite von Mikrofinanzierung auszuweiten, denn auch wenn der Sektor wächst, kann er noch lange nicht alle potenziellen Kunden erreichen. Andere Akteure hingegen kritisieren die Renditeorientierung, die mit den Privatinvestoren in den als Entwicklungshilfe gestarteten Sektor einzieht. Zwei Mikrofinanzanbieter haben bisher über die Börse Eigenkapital eingesammelt: Compartamos aus Mexiko und die Equity Bank aus Kenia. Die Debatte über den 1,5 Mrd. US-Dollar schweren, von vielen auf das schärfste verurteilten Börsengang von Compartamos vor knapp zwei Jahren verdeutlicht die Grundfragen, die den Sektor beschäftigen: Wie viel Rendite darf eine Mikrofinanzinstitution verdienen, wie hoch dürfen die Zinsen sein, um noch wirklich Gutes für die Menschen zu tun, denen sie Geld leiht.

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