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Mikrokredite: Schnelle Geldspritze aus dem Internet

Wenn die Bank kein Darlehen geben will, helfen Online-Vermittlungsplattformen, die Kredite von Privatpersonen an andere Privatpersonen, an Selbstständige und kleinere Unternehmen vermitteln. Die Mini-Kredite können bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen nützlich sein. Doch die elektronischen Geldmarktplätze bergen auch Risiken.

Gerade kleine Unternehmen und Freiberufler setzen auf Mikrokredite. Quelle: dpa
Gerade kleine Unternehmen und Freiberufler setzen auf Mikrokredite. Quelle: dpa

HAMBURG. Für den Unternehmensberater Dietrich Schrag aus Plön war es ein Geschäft, über das er sich zunächst kaum Gedanken gemacht hat: Im März dieses Jahres entschied sich der selbstständige IT-Experte, seinen drei Jahre alten Firmenwagen aus dem Leasingvertrag heraus zu kaufen. Nachträglich eine fatale Entscheidung, denn fast gleichzeitig erhielt er von seinem Finanzamt einen Nachzahlungsbescheid in fünfstelliger Höhe. „Plötzlich stand ich vor einem Liquiditätsengpass“, so Schrag.

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Als er seine Hausbank um ein günstiges Darlehen bat, stieß er auf taube Ohren. „Dabei waren meine Zahlen waren in Ordnung“, entrüstet sich der Freiberufler. Doch was tun? Schrag wurde im Internet fündig bei einem Online-Marktplatz, auf dem Kredite von Privatpersonen an andere Privatpersonen, an Selbstständige und kleinere Unternehmen vermittelt werden.

Der IT-Experte gab an, 25.000 Euro zu einem Zinssatz von 7,5 Prozent leihen zu wollen. Ein Dispositionskredit hätte ihn zwölf bis 14 Prozent gekostet. Innerhalb von 24 Stunden war die Summe von insgesamt drei dutzend privaten Kreditgebern zusammen. Der Selbstständige ist zufrieden: „Die Mini-Kredite haben meine Liquidität unkompliziert und schnell gestärkt.“

So wie Schrag gehen immer mehr Unternehmer in Deutschland nicht mehr zu ihrer Bank, wenn sie einen Geschäftskredit benötigen, um liquide zu bleiben oder zu Finanzierung einer Investition. Sie leihen es sich von Freunden, Familienmitgliedern oder unbekannten Privatpersonen. Letztere finden sich auf Internet-Marktplätzen wie Auxmoney, Smava.de oder Zopa. Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava.de, der nach eigenen Angaben mit 4.000 Kreditnehmern und mehr als 10.000 Anlegern größten deutschen Online-Kreditbörse: „Das Marktplatz-Prinzip sorgt dafür, dass beide Seiten die besten Konditionen bekommen. Kreditnehmer und Kreditgeber begegneten sich auf Augenhöhe. Wer Kapital benötigt, ist hier kein Bittsteller.“

Der Griff zu privatem Fremdkapital hat für Unternehmer einen wichtigen Vorteil: Sie müssen den Geldgebern anders als den Banken keine Sicherheiten stellen. Wer eine Betriebstätigkeit von mindestens zwei Jahren und schwarze Zahlen nachweisen kann und bei seiner Präsentation auf dem virtuellen Marktplatz die richtigen Worte findet, hat gute Karten.

Die privaten Geldgeber sind nicht abgesichert

Weitere Vorteile der Online-Geldvermittlung: Der Kreditnehmer kann seine Schulden jederzeit tilgen, es gibt weder Kündigungsfristen noch Vorfälligkeitsentschädigungen. Das reizt Selbstständige und Firmenchefs. Alexander Artopé: „Ein Drittel der Kredite, die wir vermitteln, sind für Geschäftskredite.“ Vor allem Handwerksbetriebe liehen sich auf diesem Weg Geld – in erster Linie, um zu expandieren zum Beispiel mit dem Aufbau eines Online-Shops.

Die Volumina sind nach oben gedeckelt. Bei einigen Plattformen beträgt die Höchstsumme 20.000 oder 30.000 Euro, bei Smava.de 50.000 Euro. Die durchschnittliche Kredithöhe hier: 12.000 Euro. Damit sind die Online-Geldmarktplätze zwar nur „Nischenanbieter“, wie Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern betont, aber trotzdem „unter Umständen eine Alternative zu einem herkömmlichen kleineren Bankkredit.

Der durchschnittliche Nominalzins beträgt beispielsweise bei Smava.de derzeit knapp acht Prozent. Zwischen März 2007 und März 2010 haben die Berliner Betreiber der Online-Plattform nach eigenen Angaben rund 5.000 Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 39 Millionen Euro vermittelt.

Vor drei Jahren waren Verbraucherschützen gegenüber Kredit-Plattformen im Internet noch skeptisch. Schwarze Schafe gab es und gibt es auch heute noch im World Wide Web. Doch man kann ihnen aus dem Weg gehen. So prüft die Stiftung Warentest Jahr für Jahr die Plattformen auf ihre Seriosität.

Dem elektronischen Geldmarktplatz Smava.de beispielsweise wurde von den Testern schon vier Mal bescheinigt, ein stimmiges Konzept zu haben – auch, weil Gebühren nur dann anfallen, wenn eine Transaktion zustande kommt. Zahlen müssen allerdings beide Seiten: der Kreditnehmer abhängig von der Laufzeit – bei 60 Monaten rund drei Prozent – der Kreditgeber eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 1,35 Prozent des gebotenen Betrages. Eine Risikoabsicherung gibt es bei Online-Krediten nicht.

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