Minderheitsbeteiligung
Stille Teilhaber für Unternehmen

Finanzkrise und Rezession bringen immer mehr Mittelständler ins Taumeln. Selbst solide Firmen haben Probleme, frische Kredite zu bekommen. Wenn Firmen in Bedrängnis geraten, können Minderheitsinvestoren die Rettung sein. Eine Reihe von kleineren Investoren hat sich auf Minderheitsbeteiligungen spezialisiert.

FRANKFURT. Finanzkrise und Rezession bringen immer mehr Mittelständler ins Taumeln. Selbst solide Firmen haben Probleme, frische Kredite zu bekommen. Häufig bleibt da nur die Suche nach Eigenkapitalgebern. Eine Reihe von kleineren Investoren hat sich auf Minderheitsbeteiligungen spezialisiert - sie können sich momentan die Rosinen herauspicken.

"Seit Oktober ist das Interesse an Minderheitsbeteiligungen deutlich gestiegen", bestätigt Jochen Wolf, Geschäftsführer bei der Stuttgarter BWK. Seit der Gründung vor 19 Jahren ist die Beteiligungsgesellschaft über 50 Investments eingegangen, darunter viele Minderheiten. Aktuell hat die BWK etwa 500 Mio. Euro in 25 Firmen gesteckt. Bis 2012 soll das Volumen sogar auf 700 Mio. Euro ansteigen. "Wir sehen uns als institutioneller Familiengesellschafter", beschreibt Wolf die eigene Rolle.

Nachfrage gibt es mehr als genug, glaubt man Frank Schönert, Managing Partner beim auf Mittelständler ausgerichteten Beratungshaus Network Corporate Finance (Network). "Wir beobachten momentan einen stark wachsenden Finanzierungsbedarf", erläutert er. "De facto herrscht in Teilen der Wirtschaft eine Kreditklemme." Dies werde vor allem bei langfristigen Finanzierungen deutlich. Aber auch bei Krediten für Vorleistungen hätten viele Firmen derzeit kaum Chancen. Hinzu komme, dass sich viele ausländische Institute verabschiedet hätten.

"Mittlerweile ist der Engpass so gravierend, dass die Probleme oft nur noch über die Zufuhr von Eigenkapital zu lösen sind", sagt Schönert. "Das können dann wirkliche Minderheitsanteile, stille Beteiligungen oder auch Mezzanine-Formen wie Genussscheine sein. Alleine Network betreut derzeit vier Mandate bei der Lösung dieser Fragestellung.

Experten zufolge gibt es hierzulande etwa fünf bis zehn Beteiligungsgesellschaften, die auf Minderheiten spezialisiert sind. Weitere ein bis zwei Dutzend sind - je nach Fall - bereit, Engagements unter 50 Prozent einzugehen. Bekannte Anbieter sind so genannte Evergreen-Fonds wie die NordHolding, Hannover Finanz oder eben BWK. Ihr Vorteil: Sie investieren ihre Mittel aus Fonds mit theoretisch unbegrenzter Laufzeit und können deshalb lange engagiert bleiben. So hat etwa die BWK nach wie vor eine im Jahr 1993 eingegangene Beteiligung im Portfolio.

Eher klassische Private-Equity-Häuser wie die Süddeutsche Beteiligungen oder Aheim Capital drängen hingegen nach einigen Jahren auf den Exit. Zuguterletzt kommen als Minderheitsinvestoren auch wohlhabende Familien - so genannte Family Offices - in Frage.

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