Minderheitsbeteiligungen
Investoren pochen nicht mehr auf die Mehrheit

Beteiligungsgesellschaften bieten verstärkt mittelstandsfreundliche Minderheitsbeteiligungen an. Doch die Annäherungsversuche zeigen bisher kaum Wirkung. Nur wenige Unternehmer öffnen der Private-Equity-Branche bereitwillig ihre Tür.
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KÖLN. Auf Banken wollte Paul Wimmer bei seinen Expansionsplänen lieber nicht setzen. Der Inhaber der Laborfirma Agrolab aus Bruckberg wandte sich direkt an Beteiligungsgesellschaften. „Eigenkapital macht alle Höhen und Tiefen mit, die Bank nicht“, begründet der Bayer seine Entscheidung. Zwei Private-Equity-Firmen, die Hannover Finanz und die Bayerische Beteiligungsgesellschaft, übernahmen 2001 gemeinsam 15 Prozent an Agrolab. Wimmer behielt die Entscheidungsgewalt.

In den Niederlanden, Polen, Spanien und der Türkei baute der Unternehmer sein Geschäft aus und versiebenfachte so den Umsatz auf heute 70 Mio. Euro. Kürzlich hat Wimmer die letzten Anteile zurückgekauft, ihm gehört Agrolab wieder komplett.

Nur wenige Unternehmer öffnen der Private-Equity-Branche so bereitwillig die Tür wie Wimmer. „Die Heuschrecken-Debatte wirkt immer noch nach. Gerade ältere Unternehmer sind skeptisch“, sagt Björn Stübiger, Partner bei der Beratungsgesellschaft Rödl&Partner. Ein Grund dafür ist, dass die Private-Equity-Firmen meist als Mehrheitseigner die Kontrolle über ein Unternehmen übernehmen wollen. Denn die gibt kaum ein Mittelständler freiwillig her.

Gretchenfrage Beteiligungsquote

Dennoch zeichnet sich eine Trendwende ab: Eine Umfrage von Rödl&Partner unter 300 Beteiligungsgesellschaften hat ergeben, dass diese künftig mehr Minderheitsbeteiligungen eingehen wollen und auch längerfristig investieren. 51 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Beteiligungsquote im Schnitt bereits jetzt unter 50 Prozent liegt. „Die Private-Equity-Branche geht mehr auf die Bedürfnisse der Mittelständler ein“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. „Minderheitsbeteiligung wirken für beide Seiten meist durchweg positiv“, ergab eine Studie der Stiftung.

Die Annäherungsversuche beider Seiten kommen nicht von ungefähr: Der Beteiligungsmarkt ist 2009 krisenbedingt stark eingebrochen, die Zahl der Transaktionen ist noch immer gering. Und der Mittelstand braucht dringend Eigenkapital, um jetzt im Aufschwung investieren zu können.

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