Miniaturbauten
Laube vom Architekten

Nanni Grau und Frank Schönert bauen etwas kleiner als ihre Berufskollegen. Die beiden Architekten entwerfen Minihäuser für „urbane Nischen“, wie sie es nennen. Ihre Entwürfe stehen in Schrebergartenvereinen und Grünanlagen. Ihr erstes Projekt: eine Architektenlaube für Kleingärtner.

Zwei Grundsätze standen vor der Firmengründung von Nanni Grau und Frank Schönert: keine Wettbewerbe und keine Schulden. Ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, um sich mit einem Architektenbüro selbstständig zu machen. Normalerweise haben Jungarchitekten nur eine Möglichkeit, Auftraggeber zu finden: Indem sie an Wettbewerben teilnehmen und sich so einen Namen machen. Und Wettbewerbe kosten Geld, was eben Schulden bedeutet. Die beiden hatten jedoch eine andere Idee. Sie entwerfen Minihäuser für „urbane Nischen“, wie sie es nennen. Ihr erstes Projekt: eine Architektenlaube für Kleingärtner.

Zuvor hatten die beiden an der Berliner Universität der Künste studiert und in namhaften Büros gearbeitet. Nanni Grau entwarf unter anderem bei Daniel Libeskind, der das Jüdische Museum in Berlin gestaltet hat. Frank Schönert arbeitete bei Foster & Partners an der Reichstagskuppel mit. Doch insgeheim träumten sie schon lange vom Absprung. „Die Situation war denkbar schlecht für Architekten – egal ob angestellt oder selbstständig. In Büros gab es kaum Jobs und wenn, dann hat man 14 Stunden gearbeitet und nicht viel verdient“, sagt Nanni Grau. „Also haben wir uns gesagt, wir machen uns selbstständig und verdienen nicht viel.“ 2004 gründeten sie ihr eigenes Büro „Hütten & Paläste“.

Zum Start hatten sie allerdings nur mit Hütten zu tun. Sie sprachen mit dem Berliner Kleingartenpräsident, der ihnen die Gärten öffnete. „Wir haben uns bestimmt 100 Lauben angeschaut“, sagt Schönert. Mit einer klaren Erkenntnis: „Die alten Lauben werden von den Besitzern transformiert, weil sie der modernen Freizeitnutzung nicht mehr entsprechen.“

Also entwickelten sie – streng nach dem Jota des Bundeskleingartengesetzes – ein Laubenmodell. DuLa, die Durchlaube. Ein Raum mit Schrankelementen, in denen sich eine Kochnische, ein Bad, Stauräume und Werkzeugschränke verbergen. Mit Schiebetüren kann die Laube nach außen geöffnet werden, eine Fensterbank neben dem Eingang wird zum Tresen, ein Stauboden zum Schlaf- und Ruheplatz. Zusammen mit dem Fertighaushersteller Schwörer Haus produzierten sie einen Prototypen, den sie auf der Grünen Woche präsentierten. Und schon war das erste Haus Realität – ganz ohne Wettbewerb oder Kredit.

Architektur für die Laubenkolonie, das klingt wie Nintendo fürs Altenheim. „Wir sind keine Kleingärtner“, sagt Nanni Grau, „und als wir anfingen, hatten wir auch erst mal unsere Vorurteile.“ Aber bald mussten sie feststellen, dass es durchaus eine jüngere Klientel für ihr Geschäftsmodell gab. Menschen, die das Leben in der Stadt suchen und gleichzeitig eine Nähe zur Natur.

Die Zielgruppe ist groß: „45 Prozent aller Neugärtner sind junge Familien mit Kindern“, sagt Theresia Theobald, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde. Und: „Es gibt eine Million Kleingartenparzellen in Deutschland.“ Aber sie dämpft die Erwartungen etwas, denn auf den meisten Parzellen stehen natürlich schon Lauben. Persönlich findet Theobald die Entwürfe der Berliner Architekten sehr schön, weil sie sich nach außen öffnen. „Junge Leute wollen eher einen offenen Raum“, sagt sie. „Ältere Gärtner wollen ihre Laube lieber kuschlig haben.“

Drei Laubentypen haben die Berliner mittlerweile im Angebot. 12 000 Euro kostet dabei die günstigste Version zum Selbstauf- und -ausbau. Zehn bis 15 Lauben plant Hütten & Paläste im Jahr. Den Grenzen des Bundeskleingartengesetzes sind die beiden dabei inzwischen entwachsen. Aufträge für Wochenendhäuser, ein Hausboot, aber auch für Info-Pavillons gehören zu ihrem heutigen Geschäft. „Wir hatten natürlich auch harte Zeiten“, sagt Grau. „Aber zum Überleben hat es immer gereicht.“ Derzeit beschäftigen Grau und Schönert drei weitere Architekten in ihrem Büro in einer ehemaligen Zigarettenfabrik.

Immerhin wirft das Büro genug ab, dass sie sich auch eine eigene Laube leisten könnten. „Und das überlegen wir in jedem Jahr“, sagt Grau. „Aber wir stellen uns dann immer die Frage: Wann sollten wir denn Blumen pflanzen?“

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