Mitarbeiterbeteiligung
Wenn Angestellte zu Gesellschaftern werden

Frisches Kapital für das Unternehmen und motiviertere Mitarbeiter: Beide Ziele können Unternehmer über Mitarbeiterbeteiligungen erreichen. Trotz der Finanzkrise haben diese nichts von ihrer Attraktivität verloren. Dafür gibt es verschiedene Modelle und sogar Geld vom Staat.

HB KÖLN. Als Mitarbeiter vom Erfolg der Firma profitieren, für die Angestellten der Hoppecke Batterien GmbH & Co. KG ist das längst Realität. Bereits seit 1973 können Mitarbeiter Genussrechte der Firma kaufen, die ähnlich wie Aktien den Unternehmenswert widerspiegeln. Seit Ausgabe der Anteile hat sich dieses Genussrechtskapital fast verzehnfacht. Im letzten Jahr erhielt der Batteriehersteller aus Brilon von der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) sogar einen Preis für sein Mitarbeiterbeteiligungskonzept.

Mit solchen Modellen steht Hoppecke nicht alleine da. "Immer mehr Unternehmen haben in den letzten Jahren die Vorteile einer Mitarbeiterbeteiligung erkannt und dies in die Praxis umgesetzt", sagt AGP-Vorstand Heinrich Beyer. So waren nach der diesjährigen Schätzung der AGP in mehr als 4 200 Unternehmen die Mitarbeiter mit Kapital beteiligt, rund 500 mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Angesichts von mehr als drei Mio. Unternehmen in Deutschland ist dies jedoch immer noch eine verschwindend geringe Zahl. "Viele Unternehmer, gerade in kleineren Betrieben, haben immer noch das Gefühl, Entscheidungsfähigkeit einzubüßen, wenn sie Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen", erklärt Lutz Bellmann, Leiter des Forschungsbereichs Betriebe und Beschäftigung beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Dabei gibt es Beteiligungsformen, die keinesfalls den Einfluss des Unternehmers schmälern. So können sich Angestellte beispielsweise mit so genannten Mitarbeiterdarlehen indirekt am Gewinn der Firma beteiligen, ohne Mitspracherechte zu erhalten. Die Mitarbeiter leihen dem Unternehmer über einen gewissen Zeitraum Geld, der Zins kann dabei ans Unternehmensergebnis gekoppelt sein, was wiederum die Mitarbeiter motiviert, mehr zu leisten.

"Mögliche Risiken für die Anleger kann der Unternehmer mit einer Bankbürgschaft reduzieren", sagt Rene Döring, Principal Associate bei Freshfield Bruckhaus Deringer und Experte für Mitarbeiterbeteiligung. Neben den Banken muss der Unternehmer selbstverständlich auch die Mitarbeiter überzeugen. Auch als Liquiditätsspritze in schlechten Zeiten sind die Mitarbeiter-Gelder geeignet, sagt der Beteiligungsexperte: "Die Mitarbeiter wissen, dass ein solches Darlehen die momentanen Liquiditätsprobleme der Firma unter Umständen vermindern kann."

Helfen will hier auch der Staat. So trat zum 1. April 2009 das neue Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz in Kraft, das einen "Mitarbeitersonderfond" vorsieht. Er soll Mitarbeiter stärker mit ihrer Firma verbinden. Vor allem will der Gesetzgeber Arbeitnehmer bei der Geldanlage aber besser vor möglichen Insolvenzen des Betriebs schützen. Arbeitgeber können den Erwerb der neuen Fondsanteile bezuschussen, die Zuzahlung ist bis zu einer Höhe von 360 Euro jährlich steuerlich absetzbar. 60 Prozent des Geldes legt die Fondsgesellschaft wiederum in beteiligten Unternehmen an, nach Renditegesichtspunkten.

Ob das Geld in das eigene Unternehmen zurückfließt, kann der Unternehmer jedoch nicht bestimmen. "Für Arbeitnehmer ist die Motivation dann häufig deutlich geringer", konstatiert Beteiligungsexperte Döring. Der Erwerb von Fondsanteile wird allerdings nur durch Zuzahlungen des Arbeitgebers möglich - eine Entgeltumwandlung ist nicht vorgesehen.

Mitarbeiter, die sich direkt als Gesellschafter am Unternehmen beteiligen, dürfen mitreden. Diese Form der Beteiligung ist jedoch eher die Ausnahme, sagen Experten. Der Verwaltungsaufwand ist enorm, ein Notar muss jede Beteiligung beurkunden. Weil Mitarbeiter oft mit eher geringen Beträgen einsteigen, lohnt sich das selten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%