Mittelständler auf vielen Weltmärkten führend
Deutschland hat die meisten Champions

Was unterscheidet einen „Hidden Champion“, einen heimlichen Weltmarktführer, von den übrigen mittelständischen Industrieunternehmen Deutschlands? Vor allem heben sie sich in „allen wirtschaftlichen Erfolgskennziffern erheblich vom Durchschnitt ab“, stellt Professor Uschi Backes- Gellner, Vorstand des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn, fest.

HB DÜSSELDORF. Bei ihrer Aussage stützt sie sich auf eine Studie, die im Auftrag des BDI und der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young erstellt wurde. Hidden Champions seien Unternehmen, die in ihrem Segment 70 bis 90 Prozent der Weltmarktanteile halten könnten, ihre Märkte in der Regel also weltweit beherrschten, definiert Professor Anja Lüthy von der Fachhochschule Brandenburg.

„Schaut man sich die Unternehmen genauer an, findet man schnell auch Ursachen für den Erfolg“, so Backes-Gellner: Die meisten machen ihre Hausaufgaben ordentlicher als andere, legen ihre Leitlinien und Strategien meist schriftlich nieder, sie haben eine hohe Selbstfinanzierungskraft, planen Liquidität und Investitionen häufiger, weisen eine höhere Produktivität auf, heben sich bei Produkt- und Service-Qualität hervor und geben viel Geld für Forschung und Entwicklung aus, um ihren Vorsprung zu halten. Dass an der Spitze noch wahre Unternehmer bzw. Unternehmerinnen stehen, ist das Tüpfelchen auf dem „i“.

In keinem Land gebe es auch nur annähernd so viele mittelständische Weltmarktführer wie in Deutschland, fügt Prof. Hermann Simon, Geschäftsführer der Bonner Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners, hinzu.

Nach Feststellung des IfM gehören in Deutschland etwa acht Prozent aller mittelständischen Industrieunternehmen zur Kategorie „Hidden Champions“, denen auch die schwache Konjunktur wenig anhaben kann. Etwa zwölf Prozent, so das Institut weiter, hätten zwar eine kleine Wachstumsdelle verzeichnet, seien inzwischen aber auf Erholungskurs. Somit zählen 20 Prozent der 104 000 mittelständischen Industrieunternehmen Deutschlands zur Kategorie der geheimen Weltmarktführer.

Wie breit die Produktpalette und wie tief die Spezialisierung dieser Mittelständler ist, zeigt eine Liste von Professor Simon mit Firmen aus Nordrhein-Westfalen. So nennt er die Firma Ultrafilter in Haan, die Spezialfilter herstellt, Becher Textil und Stahlbau in Dieringhausen, die große Schirme für Restaurants produzieren. Die Duisburger Belfor behebt Feuer- und Wasserschäden, die Firma Claas in Harsewinkel baut Erntemaschinen und Darma in Ennepetal Tür- und Fensterbeschläge. GKD Kufferath in Düren stellt metallische Gewebe her. Buchbindemaschinen baut Kolbus in Rhaden.

Hidden Champions lassen sich auch nach anderen Kriterien nicht einordnen, wie IfM-Vorstand Backes-Gellner herausfand: Es gebe keine signifikanten Unterschiede nach Unternehmensgröße oder -alter, selbst Kleinstunternehmen würden sich unter den Spitzenunternehmen finden, genauso wie ostdeutsche oder junge Unternehmen, denen es gelungen sei, durch Spezialisierung in die Spitze vorzurücken.

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