Mittelständler fährt besser als Konkurrrenz
Güterbahn TX Logistik sucht Erfolg in Nischen

Der Schienengüterverkehr wird von Umsatzrückgängen schwer gebeutelt. Das Bahnunternehmen TX Logistik schlägt sich in seinen Marktnischen allerdings wacker. Laut Vorstand Raimund Stüer sei die Talsohle erreicht. Nun will sein Unternehmen verstärkt in eine Domäne der Staatsbahnen eindringen.

DÜSSELDORF. Während die großen Staatsbahnen hohe Verluste verkraften müssen, rechnet TX für 2009 mit einem Ergebnis „nur leicht unter 2007“, sagte Vorstand Raimund Stüer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ihm zufolge sei es mit gezielten Angeboten gelungen, die Abwanderung vieler Kunden von der Schiene zur Straße zu stoppen – trotz des ruinösen Preisdumpings vieler Fuhrunternehmer. Die Deutsche Bahn und die französische SNCF hatten kürzlich in ihren Halbjahresergebnissen im Cargo-Geschäft tiefrote Zahlen ausgewiesen. Der in Bad Honnef ansässige Mittelständler gehört zu 51 Prozent der Staatsbahn Trenitalia, arbeitet aber nach eigener Aussage weithin unabhängig von ihr. Er peilt für das laufende Jahr ein positives Ergebnis an. Im Boomjahr 2008 wuchs der Umsatz um 25 Prozent auf 125 Mio. Euro, mit einer um etwa 50 Prozent gestiegenen Umsatzrendite von knapp zehn Prozent. Für 2009 erwartet TX acht bis zehn Prozent Umsatzrückgang.

Das sei für eine Bahn in der aktuellen wirtschaftlichen Situation „ein sehr gutes Ergebnis“, betonte Stüer. Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, hatte sich bei der Halbjahres-Bilanz zur Marktsituation der Sparte DB Schenker Rail wesentlich skeptischer geäußert. In den nächsten vier Jahren erwartet er keine grundlegende Besserung und verkündete einen straffen Sparkurs.

Während DB Schenker Rail laut Grube einen „historischen Einbruch“ der Verkehrsleistung um 25 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 verkraften musste, kam TX besser davon. Das Unternehmen ist zwar nur mit rund 40 eigenen Loks europaweit unterwegs, zählt aber in Teilmärkten wie dem Seehafen-Containerverkehr, der Automobillogistik und im internationalen Transport von Trailern auf der Schiene zu den großen Anbietern.

Durch die Ausfälle im Auto- und Stahltransport wurde TX ebenfalls gebeutelt. Es gelang aber, im Transport von Containern und Lkw-Aufbauten die Verkehrsleistung zu halten. Das Unternehmen habe angesichts der hohen Fixkosten gar nicht erst versucht, im Preiskampf mit der Straße mitzuhalten, sagte Stüer. Stattdessen binde die Bahngesellschaft ihre Kunden mit zusätzlichen Dienstleistungen über den reinen Transport hinaus.

Beispiele seien etwa ein Meldesystem für Kühltransporte, das bei Störungen ein schnelles Eingreifen auf dem kompletten Laufweg der Züge möglich mache und so die verderbliche Ware schütze. Oder die Entwicklung von diebstahlsicheren Containern sowie zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen in den Terminals. Damit sei es gelungen, den Transport hochwertiger Computer von Deutschland nach Oberitalien auf die Schiene zu holen.

Auch schalte sich TX ein, um bei regelmäßigen Transporten die Möglichkeiten für Rückladungen zu ermitteln, so Stüer. Aktuelles Beispiel ist ein zwischen Köln und Verona pendelnder Containerzug: Richtung Süden befördern die Spezialbehälter Tonerde aus dem Kannebecker Land, zurück fertige Fliesen. Diese Transporte habe TX von der Straße geholt.

TX will verstärkt in eine Domäne der Staatsbahnen eindringen – den über Rangierbahnhöfe abgewickelten Einzelwagen- oder Wagengruppenverkehr. Das Unternehmen fährt heute fast ausschließlich „Ganzzüge“ nonstop von Terminal zu Terminal. Stüer will nun Netzwerkverbindungen mit kleinen Bahnen nutzen, um im Umfeld seiner Start- und Zielbahnhöfe auch konventionelle Wagengruppen einsammeln und ausliefern zu können. Auf der langen Strecke fahren sie dann mit den Ganzzügen.

Stüer: „Damit können wir im bislang teuren und zeitaufwendigen Einzelwagenverkehr Preise und Qualität anbieten, die dem Ganzzug-Bereich sehr nahe kommen. Das erschließt der Schiene weitere Märkte.“ In der Branche wird das Vorhaben mit Spannung beobachtet. „So ein Projekt in einer Zeit anzugehen, da der Schienengüterverkehr erheblich unter Margendruck steht, ist schon sehr ambitioniert“, sagte Maria Leenen, Chefin der Unternehmensberatung SCI-Verkehr.

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