Mittelständler
Flucht aus der Schweiz

Die Touristen bleiben weg, die Firmen gehen ins Ausland: die Schweiz leidet weiter unter ihrer starken Währung. Auch Mittelständler haben es da schwer - und verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland.
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ZürichDie Schweiz ist zwar kein Mitglied der Euro-Zone. Dennoch zahlen Schweizer Unternehmen einen hohen Preis für die Schuldenkrise der Euro-Zone - und zwar in Form von Arbeitsplätzen. Grund ist die Aufwertung des Schweizer Frankens, die Exportgüter aus dem Land stark verteuert. Zwar verteidigt die Notenbank des Landes durch Interventionen den Kurs bei rund 1,20 Franken je Euro. Doch selbst bei dieser Höhe gilt für viele Firmen: Die Produktion in der Heimat rechnet sich nicht mehr.

Seit einigen Wochen mehren sich die Ankündigungen von Unternehmen, Arbeitsplätze in das Ausland zu verlagern. Etwa die Cham Papier Group: Nach 354 Jahren will der Papierhersteller die Produktion von Rohpapier am Stammsitz Cham südwestlich von Zürich aufgeben. Sie soll nach Italien verlegt werden.

Von 312 Vollzeitstellen am Stammsitz bleiben nur 100 übrig. "Der ausschlaggebende Grund für die Verlagerung der Produktion ist die Frankenstärke", erklärt Philipp Buhofer, Verwaltungsratspräsident des Traditionsunternehmens, dem Handelsblatt. "Wir haben unsere Kosten in der Schweiz schon optimiert, diese Zitrone ist ausgepresst."

Cham Paper ist ein klassisches Fallbeispiel für die Malaise der Mittelständler. "40 Prozent unserer Kosten fallen derzeit in Franken an", rechnet Buhofer vor, "dagegen erzielen wir 98 Prozent unserer Erlöse in Dollar oder Euro." Der Stammsitz in der Nähe Zürichs soll nun auf Forschung- und Entwicklung sowie Spezialprodukte wie Papierbeschichtungen spezialisiert werden.

Die Bobst Group, ein Maschinenbau-Spezialist für die Verpackungsindustrie, kündigte an, dass die Frankenstärke "radikale Maßnahmen" erfordere. Von 5300 Jobs werden acht Prozent abgebaut - vor allem am Stammsitz Lausanne. Das Unternehmen will Produktionsteile mit geringerer Wertschöpfung nach China verlagern.

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Aufwertung führt zu Problemen

Kommentare zu " Mittelständler: Flucht aus der Schweiz"

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  • Ich glaube, dass das mit Ihrem iPad egal ist. Es wäre sowieso Müll rausgekommen. Merken Sie eigentlich nicht, dass Ihre Worte nicht den geringsten Inhalt haben?

    Die Schweiz kann den Franken eben nicht expandieren wie sie will, sonst hätte Sie es schon getan. Soweit ich mich erinnern kann, hat sie das auch versucht. Es hat aber nicht funktioniert. Korrigieren Sie mich, wenn das falsch ist.

    Natürlich ist die Schweiz ein stark industrialisiertes Land. Ich finde die Schweiz ist ein tolles Land und ich würde sie gerne in der EU sehen. Wenn ich aber mit Schweizern telefoniere, gerade mit Behörden, dann kommt immer so eine unglaubliche Ehrfurcht gegenüber Deutschland zum tragen und oft leider auch der Ausdruck minderer Wertigkeit. Die Augenhöhe fehlt.

    Die Schweiz steht vor einem Umbruch und die Leute dort spüren das auch. Für die Schweizer wird es einfach Zeit Europa anders wahrzunehmen.

    Die Schweizer werden ihre Währungspolitik ändern und mit der Anbindung des Franklen an den Euro haben sie das bereits getan. Aus einer Währungsnabindung kommen Länder erfahrungsgemäß nur sehr schwer wieder raus und deshalb meine ich, dass diese der kalte Beiritt in die EU ist.

    Überzeugen Sie mich vom Gegenteil, aber verstecken Sie sich bitte nicht hinter Ihrem iPad.

  • Schweizer Firmen verlagern nicht erst seit heute Arbeitsplätze, das geschieht schon länger, nach Indien, Polen, Rumänien oder sonstwo, so wie auch in Deutschland, USA usw.
    Nokia war erst hier mit dicken Subventionen, dann nach Rümanien abgewandert, wieder mit günstigeren Bedingungen, jetzt auch wieder weggegangen, jeweils ein Heer von Arbeitslosen zurücklassend.
    Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit in der Schweiz gerade mal bei 2,9 %. es werden dringend Fachleute für die Industrie gesucht und die gehen dorthin, wie viele Deutsche, die dann hier fehlen, weil's steuerlich lukrativ.

    Denn ein Manko hat die Schweiz: In den Köpfen hat das Geldverdienen Priorität und da verdient man am besten als Banker, nachrangig als Handwerker. Also machen sehr wenige das Abitur oder studieren, denn anders läßt es sich einfacher leben und gut verdienen. Qualifizierte Fachleute holt man aus dem Ausland.
    Uns geht es ja gerade ebenso, einwandern darf der Qualifizierte, in USA ist es schon lange so.
    Die kommen aus China, Indien, den Oststaaten, wie Kroatien usw, sogar die qualifizierten Griechen gehen nach Rumänien und anderswo, die allerdings im eigenen Land keine Beschäftigung finden. Es findet eine regelrechte Völkerwanderung statt im Jobhopping.

    Es liegt an der mangelnden Bereitschaft junger Leute in saturierten Gesellschaften in Berufe zu gehen, die dringend benötigt werden, aber etwas beschwerlicher sind in der Ausbildung.

    Den Beruf des Banker bezeichnet man schon als verlorenes Intelligenzpotenzial. Das ist die Welt von heute. Hoffentlich kommt hier auch noch eine Besinnung, wenn sie reihenweise ihren Job verlieren.

    Anders die Polen, sie kommen hierher, verdienen gut, weniger als die Deutschen, bringen aber das Geld zurück zu ihren Familien und werden wohlhabend. ABER: sie haben ja auch noch nicht den EURO.Das lohnt sich.Und deren Wirtschaft wächst mal wieder um 4%.

    Verzerrungen allerorten.

  • Ja,ja das selbe habe ich auch Anfang der 2000er über Deutschland gelesen.Alle Zeitungen haben geschrieben-der kranke Mann Europas usw.Ihre Meinung das sich ein LAnd nicht reformieren kann ist einfach lächerlich.Inder Geschichte Europas haben sich ständig Britanien,Frankreich,Deutschland,Spanien,Italien als Wirtschaftsmächte abgelöst.Natürlich kann Spanien genauso restrukturiert werden wie Deutschland.China war bis in den 70er ein Agrarland genau wie Griechenland.Das einzige ist man muss es tun-man muss sich entscheiden und die Reformen durchführen koste es was es wolle. Das ist der Grund warum ich auch den Gazprom Kanzler viel mehr respektiere als Merkel.In 2006 ahtte Deutschland schon 2.5% Wachstum-hätte er noch ein Jahr gemacht,wäre er wieter Kanzler gewesen.Er hat der SPD gesagt entweder zieht ihr das mit mir durch oder ich steige aus.Kohl hat genauso Reformen verschlaffen nach der Wiedervereinigung.Merkel verfällt in der selben Traditionalismus obwohl sich alles rasant ändert und Länder reihenweise sich neuaufstellen-nicht nur in Europa.

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