Mittelständler holen Promis an Bord
Der Star als Anteilseigner

Fußball-Star Philipp Lahm ist nicht nur die Werbefigur des Kosmetikherstellers Sixtus. Ihm gehört auch die Hälfte der Firma. Immer mehr Promis kaufen sich bei Mittelständlern ein. Was ihnen das bringt.
  • 0

DüsseldorfPhilipp Lahm ist nicht nur Fußballprofi beim FC Bayern, sondern auch Geschäftsmann. Während er auf dem Platz von Erfolg zu Erfolg eilt und im vergangenen Sommer mit dem WM-Titel seine Karriere krönte, musste er als Unternehmer jetzt einen Misserfolg hinnehmen: Der 31-Jährige soll versucht haben, als Teil eines Investorenkonsortiums den Modekonzern Bogner zu übernehmen. Doch der bisherige Eigentümer Willy Bogner (73) blies den Verkauf am Mittwoch ab – offenbar war ihm das Angebot zu niedrig.

Dennoch gewinn der Trend, dass Prominente als Unternehmer bei Traditionsfirmen ein einsteigen, weiter an Geschwindigkeit: Viele Stars machen nicht nur Werbung für ein Produkt, sondern investieren auch in den Hersteller – zahlen damit also praktisch auf das eigene Konto ein.

Lahm war schon im Frühjahr in diese neue Doppelrolle geschlüpft: Er übernahm 50 Prozent des oberbayerischen Herstellers von Sportpflegeprodukten Sixtus. Die neue Lust der Prominenz am Unternehmertum hat für viele Mittelständler einen Zusatznutzen: Sie müssen nicht ihre Liquidität angreifen, im Gegenteil, es fließen manchmal sogar größere Summen der Prominenten in ihre Kassen.

Traditionell nutzten Mittelständler bisher die Strahlkraft prominenter Menschen als Markenbotschafter: die Molkerei Müller mit dem gleichnamigen Fußball-Weltmeister Thomas Müller, Süßwarenhersteller Haribo mit Thomas Gottschalk und Michael „Bully“ Herbig. Das Online-Reisebüro Ab-in-den-Urlaub arbeitete mit Ex-Fußballprofi Michael Ballack. Doch nicht jeder kann sich die Gagen dieser Stars leisten.

Noch ein Beispiel: Auch Detlef D. Soost, bekannt aus der Pro-Sieben-Fernsehsendung „Popstars“, hat eine zweite Karriere begonnen: Der Tanz-Coach ist das Gesicht des Online-Diät und -Fitnessportals Body Change. Der 45-Jährige ist Personal-Trainer von rund 200.000 Abonnenten. Aber Soost hat keinen herkömmlichen Werbevertrag mit der Social Media Interactive (SMI) in München, sondern ist am Umsatz des Mittelständlers beteiligt.

Von jedem Euro, den SMI mit Online-Abos, Koch-, Motivations- und Fitnessvideos verdient, bekommt Soost einen vertraglich festgelegten Anteil. SMI erwirtschaftete im ersten Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von fast vier Millionen Euro. „Klassische Verträge für Werbespots und Fotos, für die ein Prominenter eine zuvor festgelegte Summe einstreicht, sind out“, sagt Frederik Harkort, Chef von SMI. Weil die Konsumenten auch durch Social Media sensibler geworden seien, funktioniere mittlerweile ein Testimonial nur noch, „wenn es zum echten Bestandteil der Marke und nicht nur als Sticker und Aushängeschild künstlich eingesetzt wird“.

Frederik Harkort und sein Team hatten vor fünf Jahren mit 30.000 Euro nur wenig Startkapital für ihre Idee: „Ich brauchte einen Partner, der überzeugt von dem Fitness-Portal ist, weil er sich von der Wirkung des Programms im Selbsttest überzeugt hat. Nur deshalb ging Detlev D. Soost für eine Umsatzbeteiligung auch in Vorleistung.“

Seite 1:

Der Star als Anteilseigner

Seite 2:

Warnung vor dem „Vampireffekt“

Kommentare zu " Mittelständler holen Promis an Bord: Der Star als Anteilseigner"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%