Mittelständler in China
Zaghafte Schritte in den fernen Osten

Der Reiz für deutsche Mittelständler am chinesischen Wachstum zu partizipieren ist groß. Viele Unternehmen tun sich jedoch immer noch schwer beim Gang in den fernen Osten. Gleichzeitig bereiten Exporte aus Asien den Produzenten im Inland Kopfzerbrechen.

KÖLN. Viel lässt sich Rupprecht Kemper über sein Engagement in Fernost nicht entlocken. Aber so viel verrät er doch: "Wir sind in China wirklich sehr erfolgreich." 1864 wurde Kemper gegründet und stellt Armaturen, Guss und Bänder her. Seit einem Jahrzehnt ist das Unternehmen auch in China aktiv und seit fünf Jahren dort "richtig im Geschäft", wie Geschäftsführer Kemper sagt. Sein Unternehmen beliefert in Kooperation mit Geschäftspartnern die chinesischen Niederlassungen internationaler Konzerne.

Das Unternehmen ist einer von noch relativ wenigen Mittelständlern aus der Metallbranche, die den Schritt nach China gewagt haben. Zwar liegen keine genauen Zahlen vor, wieviele deutsche Unternehmen tatsächlich dort aktiv sind. Doch auch wenn der Hunger der chinesischen Wirtschaft nach Metallprodukten groß ist: für viele Unternehmen ist es noch zu riskant, den Sprung zu wagen.

Der Reiz für deutsche Unternehmen, am chinesischen Wachstum zu partizipieren, ist groß. Doch deutsche Produkte sind dort vorerst noch nicht so gefragt. "In China werden andere Dinge und andere Firmen als in Deutschland benötigt", sagt Alfred Zedtwitz vom Fachverband für Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Die deutsche Automation etwa will dort niemand haben. Die Chinesen möchten lieber ein manuell betriebenes Werkzeug." Die Bedürfnisse des chinesischen Marktes einzuschätzen sei schwierig.

Eine Produktionsverlagerung ins Reich der Mitte aus reinen Kostengründen macht ebenfalls keinen Sinn. Zwar lassen sich gerade die Lohnkosten deutlich senken, dafür schnellen aber auf der anderen Seite die Transportkosten in die Höhe. "Wenn man in China produziert und nach Deutschland reimportiert fressen allein die Transportkosten 85 Prozent aller anderen Kostenvorteile wieder auf", sagt Holger Ade, Chefvolkswirt vom Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM).

Weiterer Nachteil: Die Metallbranche ist eine Zulieferindustrie, deren Kunden stark auf Lieferpünktlichkeit angewiesen sind. "Wenn ein Unternehmen Lieferschwierigkeiten hat, werden die vertraglich vereinbarten Strafen schnell teuer", sagt Zedtwitz. Dieses Risiko steigt bei der Produktion in China deutlich.

Darüber hinaus stellt sich für viele Mittelständler allein aufgrund ihrer Unternehmensgröße gar nicht erst die Frage, nach China zu gehen. "Viele Unternehmen sind zu klein, um solch einen Schritt hinzubekommen", sagt Christian Rammer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Deshalb gehen eher Automobilzulieferer nach China, die von den großen Autokonzernen mitgezogen werden."

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