Mittelständler
Inszenierung der schönen Form

Stylisches Design ist nicht nur für Konzerne wie Apple ein wichtiges Verkaufsargument. Auch Mittelständler wie Hansgrohe wissen mittlerweile um die Wirkung einer schönen Verpackung.
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BerlinBunt die Szenerie, minimalistisch der Raum: Locker parliert der französische Designer Philippe Starck auf dem Podium über seine neueste Kreation. Das internationale Fachpublikum lauscht entzückt im Berliner E-Werk und spart nicht mit Beifall, als das Werk schließlich enthüllt wird: zwei Wasserhähne, silbrig glitzernd im Scheinwerferlicht. Wenn es nach dem Armaturenhersteller Hansgrohe geht, ist ein Wasserhahn inzwischen weit mehr als ein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand: Er ist Kult, Designkunst, ein Objekt der Begierde.

Entsprechend inszeniert und präsentiert der Mittelständler die jüngste Kollektion seines Stardesigners. Starck hat schon alles Mögliche in Form gebracht: Brillen und Badewannen, Stühle und Saftpressen, aber eben auch Armaturen fürs Bad - und das schon seit 20 Jahren für die Premiummarke Axor des Schwarzwälder Traditionsunternehmens. Eine fruchtbare Verbindung, wie Hansgrohe-Chef Siegfried Gänßlen findet: "Er hat uns herausgefordert und es geschafft, dass wir Riesensprünge beim Design gemacht haben. Die Zusammenarbeit hat uns als Firma gutgetan." Nobelhotels und Luxusliner suchen extravagantes Styling. Die schöne Form ist nicht nur für Konzerne wie Apple oder Automobilfirmen eines der zentralen Verkaufsargumente.

Auch Mittelständler wie Hansgrohe bauen darauf. Denn Hauptabnehmer der minimalistisch gestylten Axor-Duschköpfe und Wasserhähne sind die Nobelhotels dieser Welt wie das Burj Khalifa in Dubai, Luxusliner oder der exklusive Chelsea Club in London. "Die Hotels wollen sich dadurch von der Konkurrenz unterscheiden", sagt Hansgrohe-Chef Siegfried Gänßlen dazu. Positiver Nebeneffekt: Mancher Gast kommt auf den Geschmack und lässt sich die entsprechende Armatur auch zu Hause einbauen. Mit der Konzentration auf funktionelles Design und dem Qualitätsversprechen "Made in Germany" haben sich deutsche Mittelständler wie Grohe, Hansgrohe oder Dornbracht ein gehöriges Stück Marktanteil vom globalen Kuchen im gehobenen Segment gesichert.

Grohe, im Besitz von Private-Equity-Investoren, sieht sich mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro sogar als Weltmarktführer bei Bad- und Küchenarmaturen. Hansgrohe liegt mit 760 Millionen deutlich dahinter, verkauft aber auch rund 80 Prozent seiner Produkte ins Ausland. Die Premiummarke Axor steuert zwar nur 20 Prozent zum Umsatz bei, gilt aber als Zugpferd des Herstellers, auch finanziell. "Axor trägt mit ihren Margen dazu bei, die Hansgrohe-Produkte weiter zu entwickeln", sagt Gänßlen.

Gleichzeitig geben Stardesigner wie Starck oder Citterio bei der Form die Richtung vor, auch für die normalen Hansgrohe-Produkte: "Minimalismus gab es vor Starck in der Branche und bei uns nicht", bemerkt Gänßlen. Der gute Ruf deutscher Armaturenhersteller lockt natürlich unliebsame Konkurrenz an: Axors Starck-Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit bei Plagiatoren, insbesondere aus Asien. Für Gänßlen ein Ärgernis, gegen das er vorgeht, gleichzeitig aber auch ein Kompliment: "Wenn Sie in China nicht kopiert werden, sind Sie dort nichts wert."

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