Mittelständler mit schwacher Kapitalausstattung keine Seltenheit
Rating macht Unternehmen krisenfest

Es geschah in Düsseldorf, an einem schönen Sommertag im August 2005: Kreditlinien ausgeschöpft, Kasse leer, nichts geht mehr. Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist gestellt, der Letzte macht das Licht aus. Das Düsseldorfer Tief- und Kanalbauunternehmen mit 95-jähriger Tradition ist insolvent.

HB DÜSSELDORF. Es wird 2005 nicht das einzige mittelständische Unternehmen bleiben, das den Geschäftsbetrieb einstellen muss. 39 213 waren es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2004, und nur unwesentlich weniger werden es nach Schätzung von Experten in diesem Jahr sein. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen erwartet etwa 38 000 Pleiten.

Blickt man hinter diese Statistik, dann wird schnell klar, dass nicht immer fehlende Aufträge Unternehmen abstürzen lassen, sondern allzu häufig eine schlechte Kapitalausstattung – also: zu wenig Eigenkapital und dadurch vielfach beschränkte Kreditlinien. Dann kann bereits die schleppende Zahlung der Kunden trotz ausreichender Umsätze zur Zahlungsunfähigkeit führen. Diese schmerzhafte Erfahrung blieb auch dem Düsseldorfer Kanalbauer nicht erspart, der einen Großteil der Geschäfte mit der öffentlichen Hand machte. Nachdem die Aufträge erledigt waren, dauerte es oft Monate, bis die Rechnungen bezahlt wurden. Mit einem dickeren Eigenmittelpolster hätte der Betrieb solche Durststrecken überstehen können.

Mittelständler mit schwacher Kapitalausstattung sind keine Seltenheit. Laut KfW-Bankengruppe liegt die Eigenkapitalquote bei kleinen und mittleren Personengesellschaften bei durchschnittlich 7,5 Prozent, mittelständische Kapitalgesellschaften kommen auf durchschnittlich 16 Prozent.

Da die Geschäftsrisiken im laufenden Jahr nicht kleiner werden, ist es wichtig, eine breitere Finanzbasis anzustreben. Bei der Frage jedoch, wie sie ihre Kapitalausstattung (Fremd- wie Eigenkapital) verbessern können, zucken viele Mittelständler nur mit den Schultern. Für ihre Finanzierung war in der Regel die Hausbank zuständig. Und dort ist, nicht zuletzt unter dem Druck der schärferen Eigenkapitalrichtlinien nach Basel 2, heute schnell das Ende der Fahnenstange erreicht, wenn es um weitere Kreditlinien geht.

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