Mittelständler profitieren vom Wettbewerb
Preiskampf beim Factoring

Mittelständler greifen bei der Suche nach alternativen Finanzierungen immer stärker auf Factoring zurück. Dabei können die Unternehmer attraktive Konditionen aushandeln, weil das Angebot tendenziell breiter wird.

FRANKFURT. „Der Wettbewerb unter den Factoring-Anbietern nimmt zu, außerdem spüren wir natürlich, dass die Banken im Mittelstand wieder zusätzliche Kreditlinien einräumen“, sagt Helmut Karrer, Geschäftsführer bei der RBS Factoring GmbH, der Factoring-Tochter der Royal Bank of Scotland (RBS). Die Konditionen seien unter Druck. Bei der Factoringgebühr reiche die Spanne heute von 0,1 bis 1,5 Prozent; der Zinsaufwand für den Unternehmer betrage ungefähr 1,0 bis 4,0 Prozent auf den Dreimonats-Interbankensatz Euribor.

Bei einigen Factoring-Abschlüssen sei kaum noch etwas zu verdienen; vor allem die ausländischen Spezialisten wollten sich mit Kampfkonditionen neue Marktanteile sichern, sagt Thorsten Klindworth, Vorstand der bankenunabhängigen ABS Global Factoring AG. Der Markt wachse sehr schnell, wobei 70 Prozent des Geschäftes dominiert würden von ausländischen Akteuren wie General Electric mit deren Heller-Bank oder der französischen Coface-Gruppe (siehe Grafik). „Die ausländischen Anbieter bewegen sich sehr dynamisch im Markt, weil sie das Geschäft aus ihren Heimatmärkten kennen, wo Factoring viel verbreiteter ist. Das ist sicher ein Grund dafür, warum deutsche Häuser in der Spitzenliga kaum vertreten sind“, erläutert Karrer von der RBS. Auch die Schotten konnten weitere Marktanteile gewinnen. So sei der deutsche Markt im vergangenen Jahr um gut 22 Prozent auf insgesamt 55,1 Mrd. Euro gewachsen, während die RBS-Tochter ihr Forderungsvolumen überproportional um 76 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro gesteigert habe. Die Zielgruppe liege zwischen fünf Mill. und 300 Mill. Euro Jahresumsatz.

Aber auch die Factoring-Spezialisten ohne große Finanzkonzerne als Muttergesellschaften im Hintergrund können sich behaupten. ABS kam laut Klindworth 2005 auf ein Forderungsvolumen von 440 Mill. Euro und peilt dieses Jahr bis zu 550 Mill. Euro an. „Die Mittelständler suchen ihresgleichen, das spielt uns in die Hände“, erläutert der ABS-Chef. Teilweise merken die Factoring-Gesellschaften auch Sondereinflüsse. „Es gibt bestimmte Branchen, in denen wir von der Konjunktur profitieren. Denken sie nur an die Stahlindustrie, hier ist die umsatzkongruente Finanzierung für die Stahlhütten und -händler geradezu explodiert, Unternehmen wie die Lech-Stahlwerke profitieren hier von der Alternative zum Kredit“, sagt Karrer. Außerdem fällt auch ein Stück vom großen Kuchen der Ausfuhrfinanzierungen ab. „Etwa 15 Prozent vom Gesamtgeschäft entfällt auf das Exportfactoring, Tendenz steigend“, ergänzt der Chef der RBS-Tochter.

Allerdings ist die Erfolgsstory Factoring immer dann gefährdet, wenn kriminelle Energie ins Spiel kommt und bei den Rechnungen nicht mehr genau hingeschaut wird. „Das größte Risiko ist der Betrugsfall, deshalb ist die Veritätsprüfung der Forderung so ungemein wichtig für uns. Jeder hat Angst davor, Luftnummern in die Bücher zu bekommen“, räumt Karrer ein. Vor gut zehn Jahren war die Branche in die Schlagzeilen geraten, nachdem im Zuge des Betrugsskandals um den Bodenbelaghersteller Balsam auch die Factoring-Gesellschaft Procedo unter die Räder gekommen war.

Unternehmer sollten jetzt die Gunst der Stunde nutzen und vom Preiskampf profitieren. Denn die Zahl der Factoring-Anbieter werde wieder kleiner werden, vor allem dann, wenn sich Newcomer blutige Nasen geholt hätten. Die Konsolidierung im Markt setze sich mittelfristig fort, ist Karrer überzeugt.

Alternative zum Kredit

Factoring: Unter dem Factoring versteht man den Verkauf von Geldforderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Factoring dient der kurzfristigen Umsatzfinanzierung und dem Schutz vor Forderungsausfällen.Wenn das gesamte Debitorenmanagement ausgelagert wird, übernimmt der Factoring-Anbieter auch die Buchhaltung,die regelmäßige Bonitätsprüfung, das Mahnwesen und das Inkasso.

Kosten: Die Kosten des Factorings setzen sich aus den Zinsen für die Finanzierung der Forderungen und dem Factoringentgelt zusammen.

Anbieter: Den Markt beherrschen die Töchter ausländischer Banken, die Commerzbank sucht Fuß zu fassen.

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