Mittelständler setzen auf Erfahrung
Mitarbeiter im Rentenalter: Reife Leistung

Das Bundeskabinett hat die Rente mit 67 verabschiedet. Doch schon heute arbeiten in vielen Betrieben Menschen jenseits der 70, besonders im Mittelstand. Denn während die Konzerne Alt gegen Jung tauschen, haben vorausschauende Unternehmer längst erkannt, welches Potenzial in den Senioren steckt. Erfolgsgeschichten gibt es zuhauf.
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DÜSSELDORF. Der Kunde braucht für seinen Deutz-Traktor von 1960 eine neue Einspritzpumpe. Der Fahrersitz der alten Zugmaschine hängt in Fetzen, die Reifen haben Risse im Gummi, aber ansonsten tut es das alte Schätzchen eigentlich noch - wäre da nur nicht die kaputte Einspritzpumpe. Für den Maschinenbau-Ingenieur Jochen Hoffmann sind solche Anfragen kein Problem. Die alten Deutz-Motoren hat er zu Hunderten repariert. Der 74-Jährige muss in keinem Katalog nachschlagen, um das richtige Ersatzteil zu finden. Ein kurzer Hinweis von ihm genügt, und seine jungen Kollegen im Ersatzteillager wissen, wonach sie suchen müssen.

Hoffmann arbeitet seit fast einem halben Jahrhundert für den Krefelder Mittelständler Henkelhausen. Das Familienunternehmen beschäftigt 185 Mitarbeiter und repariert Motoren, Antriebssysteme oder Schaltanlagen. Hoffmann hat das Unternehmen mit aufgebaut, er war schon dabei, als Henkelhausen noch eine kleine Zehn-Mann-Werkstatt war. Im Alter von 65 Jahren übergab er den Posten des Serviceleiters seinem Nachfolger, der schon als Lehrling unter ihm gearbeitet hatte. Hoffmann tritt jetzt kürzer, aber aufhören will er nicht.

Er muss auch nicht. Denn sein Chef Lutz Göbel will auf die langjährige Erfahrung seines ältesten Mitarbeiters nicht verzichten. "Die Technik wird immer komplizierter", sagt Göbel, "am Ende weiß keiner mehr, wie ein einfacher Motorblock funktioniert." Da helfen keine Computerlisten und Bestellnummern. Da hilft nur einer wie Jochen Hoffmann.

Ein 74-Jähriger als Stütze des Unternehmens? Rentner, die freiwillig über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten? Mitarbeiter wie Hoffmann sind keine Ausnahme. Während die große Koalition und der Sozialbeirat in letzter Minute noch über Details der Rente mit 67 stritten, arbeiten bundesweit schon jetzt 99 000 über 65-jährige Rentenbezieher weiter. Außerdem gibt es rund 49 000 Arbeiter und Angestellte, die das 65. Lebensjahr erreicht haben, aber immer noch vom eigenen Gehalt leben. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 14 Prozent der 65- bis 74-Jährigen in Lohn und Brot, knapp die Hälfte davon aber in 400-Euro-Jobs, die anderen als Selbstständige oder Angestellte.

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