Mittelständler uneins über Auswirkung der neuen Rechnungslegung
Auf dem Papier steht nach den neuen Regeln mehr Eigenkapital

Zwar sind die International Financial Reporting Standards (IFRS), die neuen Regeln zur Konzern-Rechnungslegung, vom 1. Januar Pflicht an für fast alle kapitalmarktorientierten Unternehmen. Dennoch scheiden sich an ihnen die Geister.

HB FRANKFURT. „Die Deutsche Telekom betrachtet die Umstellung ihrer Rechnungslegung auf IAS/IFRS als Chance, durch erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit mit den Wettbewerbern ihre Position an den internationalen Kapitalmärkten weiter zu stärken“, gibt der Bonner Telefonriese das von den IFRS-Fürsprechern angeführte Argument getreulich wieder.

„IFRS führt dazu, dass unser Unternehmen extern immer transparenter wird, und das zu unserem Schaden“, beklagte dagegen Volker Wingefeld, Ex-Finanzvorstand der Buderus AG, im Frühjahr dieses Jahres vor Studenten in Gießen.

Aus anderen Unternehmen ist nur hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass die neuen Regeln „eher den Analysten als den Unternehmen“ dienen. Dieses Argument enthält mehr als ein Körnchen Wahrheit: Die bessere Information der Anleger und Investoren ist ein wesentliches Ziel der IFRS.

Unternehmen entdecken indessen manchen angenehmen Nebeneffekt, der ihnen die Belastung der Umstellung versüßt. Da ist zum Beispiel die Erhöhung des Eigenkapitals. Die Bewertung des Anlagevermögens zum Zeitwert mit Hilfe der Werthaltigkeitsprüfung führt im Normalfall zu einer Erhöhung der bilanzierten Werte. Als etwa der Ludwigsburger Autozulieferer Beru AG die Bilanzierung per 1. April 2002 auf IFRS umstellte, stieg sein Eigenkapital um stolze 23,5 Millionen oder knapp 11 Prozent auf 241 Millionen Euro.

„Das macht die IFRS auch für manchen Mittelständler interessant, der noch gar nicht zur Umstellung verpflichtet ist“, meint Dejan Engel-Ciric, Professor an der FH Frankfurt und Steuerberater im Team von RSM Haarmann Hemmelrath. Eine Feldstudie des Deutschen Standardisierungsrats hatte 2002 eine durchschnittliche Erhöhung des Eigenkapitals um 34 Prozent bei der Umstellung vom deutschen Reglement nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) auf IFRS festgestellt.

International operierende Konzerne entdecken zudem den Nutzen der IFRS bei der Konsolidierung. War die Erstellung eines zweiten Abschlusses nach HGB für die Konzernbilanz der deutschen Mutter bei ausländischen Töchtern bisher aufwendig und oft schwer zu vermitteln, so bringt der Übergang auf die neuen Regeln Einsparungen – und erspart viel Frust und Ärger.

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