Mittelständler zahlen aus Unwissenheit
Dem prüfenden Blick entgeht nichts

Verkehrte Welt: Viele mittelständische Firmen in Deutschland wären zwar in der Lage, sich mit Zinsen zwischen sechs bis acht Prozent am Kapitalmarkt zu finanzieren, aus Unwissenheit zahlen manche aber bis zu 15 Prozent und mehr. Abhilfe könnten externe Ratings schaffen.

HB TÜBINGEN Bereits im Vorfeld von Finanzierungsrunden können sie Transparenz schaffen, um potenziellen Investoren die Kreditwürdigkeit öffentlich zu signalisieren. Laut der letztjährigen Unternehmensbefragung der KfW Bankengruppe kennen zwar rund zwei Drittel der befragten deutschen Unternehmen die Kriterien, nach denen Banken Kreditengagements raten. Doch mehr als die Hälfte der Firmen wissen über ihre konkrete Ratingeinstufung nicht Bescheid. Davon haben 85 Prozent ihr Ergebnis einfach nicht abgefragt.

Für den deutsch-amerikanischen Rating-Experten Paul Morgenthaler von der Harvard Universität klaffen die Ergebnisse in Deutschland und die Ratingpraxis in den USA weit auseinander: "Ratings gehören in den Vereinigten Staaten zum normalen Geschäftsleben. Wir raten an der Harvard alles und jeden." Wer kein Rating vorweisen könne, falle negativ auf.

Ratings finden in den USA eine breite Anwendung: von großen Unternehmen, Mittelständlern und Dienstleistungsfirmen bis hin zu Institutionen, Produkten, Wertpapieren und Personen. "Alle bekommen Bewertungen. Sie umfassen nicht wie hierzulande nur die Zahlungsfähigkeit von Schuldnern nach Basel II, sondern auch Qualitäts- und Leistungsstärken. In Städten wie Boston haben fast alle Autohäuser, Handwerksbetriebe oder Frisörsalons ihr eigenes Rating", sagt Morgenthaler, Mitgründer und Gesellschafter der auf den Mittelstand spezialisierten Agentur Prof. Dr. Schneck Rating in Reutlingen. Unternehmen aller Branchen und Größenklassen werben dabei öffentlich mit ihren Bewertungen.

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