Mittelstand
Auf den Abschied folgt der Verkauf

Wenn der Nachfolger fehlt, stehen Beteiligungsholdings und Finanzinvestoren bereit.

DÜSSELDORF. Die erste Nummer, die Hans-Joachim Selzer im Sommer 2005 nach seiner Rückkehr ins Büro wählte, war die von Bürgermeister Wolfgang Schuster. Nur Minuten zuvor hatte Selzer, Eigentümer des gleichnamigen Zulieferers für die Auto- und Elektroindustrie, der Belegschaft den Verkauf seines Betriebs in Driedorf verkündet. „Als größter Steuerzahler im Ort musste ich doch den Bürgermeister selbst informieren“, sagt Selzer heute. Denn wie viele Familienfirmen trage er Verantwortung – für Verwandte, für die Firma im Hessischen Westerwald und die Region.

Selzer, 62, wollte sich schon vor zwei Jahren aus der Firma verabschieden. Doch es stand kein Nachfolger aus der Familie bereit. Sein Sohn ist „eher ein Techniker“, sagt Selzer, seine Tochter ist Bankerin. Nur die Kinder vom Cousin zeigten Interesse, doch das alleinige unternehmerische Risiko wollten sie nicht tragen.

Wie Selzer geht es vielen Familienunternehmern in Deutschland. Die Kinder haben andere Berufe, scheuen das Risiko und die enorme Belastung eines Unternehmers. Laut einer Studie der Universität Mannheim planen bis 2007 nur noch 50 Prozent der Unternehmer, dass ihre Kinder das Unternehmen weiterführen. Ein drastischer Wandel: In den fünf Jahren nach 1997 seien Nachfolger in drei von vier Unternehmen aus der eigenen Familie gekommen.

Für viele Unternehmer bleibt nur der Verkauf. Wenn die Konkurrenz den Betrieb nicht bekommen soll, stehen Mittelstandsholdings oder Private-Equity-Firmen bereit, die Familienunternehmen komplett übernehmen oder bei ihnen einsteigen. Doch tun sich viele Unternehmer schwer mit der Trennung. Sie hängen am Betrieb und fühlen sich verantwortlich für die Zukunft vieler Familien, die im selben Ort wohnen und oft denselben Vereinen angehören.

„Ein einfacher Verkauf kam für mich daher nicht in Frage“, sagt Selzer. Fünf Angebote von Private-Equity-Gesellschaften habe er ausgeschlagen. „Die meisten stellten schon bei den ersten Gesprächen klar: So wird jetzt wird der Betrieb nicht bestehen bleiben.“ Zu diesem Zugeständnis war er nicht bereit.

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