Mittelstand
„Das dicke Ende kommt noch“

Die deutschen Unternehmen müssen mit weiterhin schwierigen Finanzierungsbedingungen rechnen. Experten raten zu intelligentem Liquiditätsmanagement und warnen: Gerade der heraufziehende Aufschwung bedeute für viele Firmen eine Gefahr.

BERLIN. „Die Schwierigkeiten im Firmenkundengeschäft werden bis Mitte des nächsten Jahres eher noch zunehmen“, sagte Jürgen Fitschen, Vorstand der Deutschen Bank, auf dem Tag des deutschen Familienunternehmens in Berlin. Zwar existiert nach Ansicht von Fitschen keine Kreditklemme, die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen hätten sich aber definitiv verschlechtert. Die Situation könne noch bis in die zweite Hälfte des Jahres 2010 andauern.

Wie auch andere Experten riet Fitschen den Unternehmern zu einem intelligenten Liquiditätsmanagement. Gerade der heraufziehende Aufschwung bedeute für viele Firmen eine Gefahr, hier sei das Risiko, insolvent zu werden, groß.

Trotz der schwierigen Geschäftslage in vielen Bereichen des Mittelstands war die Stimmung auf dem Gipfeltreffen der familiengeführten Unternehmen erstaunlich entspannt. Dies hat auch damit zu tun, dass die meisten Gesellschaften die Jahre der Hochkonjunktur dazu genutzt haben, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Da sie meist auch schnell auf die plötzliche Krise reagiert haben, ist die große Insolvenzwelle ausgeblieben. Nach Ansicht vieler Familienunternehmer steht die eigentliche Insolvenzwelle indes noch bevor, sie dürfte im Herbst 2009 einsetzen. „Das dicke Ende kommt noch“, sagte ein bayerischer Mittelständler.

Vor gut 250 Unternehmerinnen und Unternehmern griff Brun-Hagen Hennerkes, Vorsitzender der Stiftung Familienunternehmen, die neue Erbschaftssteuer der Großen Koalition heftig an. Die Reform habe einen beispiellosen Verlust von Glaubwürdigkeit zur Folge. Bund und Länder lägen über die Ausführungsbestimmungen weiterhin im Streit, es herrsche seit Monaten völlige Rechtsunsicherheit. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg versprach den Familienunternehmen Besserung. Der CSU-Politiker sagte, dass eine bürgerliche Regierung nach der Bundestagswahl „tunlichst auch an der Nachbesserung der Erbschaftssteuer zu arbeiten habe“.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%