Mittelstand
Der schweigsame Pionier aus dem Norden

Enercon ist das größte Unternehmen der deutschen Windindustrie. Sein Gründer und Chef Aloys Wobben ist in der Branche hoch angesehen, hält sich öffentlich aber zurück. Der deutsche Marktführer macht nicht gern von sich reden.

KÖLN. Aloys Wobben, der den Windkraftkonzern Enercon 1984 als Ein-Mann-Firma mit Teilzeitsekretärin gegründet hat, gibt wenige Interviews, wenn es um detaillierte Zahlen geht, wird er einsilbig. Sicher ist: Enercon ist seit den Neunziger Jahren die Nummer Eins der Windbranche in Deutschland – und die Nummer drei weltweit.

Doch vor allem Chefentwickler und Geschäftsführer Wobben lässt sich nicht mehr in die Karten schauen, übt sich auch in seinen wenigen Interviews in Zurückhaltung. Er hat genug von Geschichten über den "Bill Gates von Aurich", wie ihn die Wochenzeitung "Die Zeit" einmal nannte. Der Bonner Berater Hermann Simon hält die Verschlossenheit bei Enercon durchaus für eine Stärke – erfolgreiche Mittelständler zeichneten sich oft durch diese Kombination von Intelligenz, harter Arbeit und Verschwiegenheit aus. Ihr Ziel sei es dabei, mögliche Konkurrenten von lukrativen Marktnischen fern zu halten. "Insofern", sagt Simon, "ist Schweigen Gold."

Branchenkenner nennen den Enercon-Chef "Mr. Wind", weil er wie kein anderer den Markt der Windenergie prägte. Für seine außerordentlichen Leistungen erhielt Wobben 2004 den Solarpreis der "Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien" (Eurosolar). Die Universität Kassel verlieh dem gebürtigen Emsländer im Februar dieses Jahres die Ehrendoktorwürde.

Dabei ist der 54-Jährige ein versierter Ingenieur und Unternehmer zugleich, tüftelt auch mal sonntags in der Werkstatt, wenn es sein muss. Oder diskutiert, mit Bundespolitikern im engen Kreis, wie zuletzt Anfang April, als Angela Merkel zum Energiegipfel nach Berlin lud. Wenn es um Windenergie geht, dann hat Wobben ein entscheidendes Wort mitzureden – und das seit mehr als zwanzig Jahren. "Er ist das Aushängeschild der Branche", sagt Hermann Albers, Vizepräsident des Bundesverbandes Windenergie.

Es war kein Zufall, dass sich Wobben in jungen Jahren gerade der Windenergie zuwandte. "Für ihn war die technologische Entwicklung von erneuerbaren Energien immer ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz", sagt Hermann Scheer, Vorsitzender des Weltrates für Erneuerbare Energien: "Er sieht die ökologische Tragweite seiner Arbeit."

Nach seinem Studium der Elektrotechnik arbeitete Wobben als Assistent an der Technischen Universität Braunschweig. Die Ölkrise hatte er noch gut in Erinnerung und sah, dass die Zeit reif war für neue Formen der Energiegewinnung. Die steckten Anfang der achtziger Jahre aber noch in den Kinderschuhen: Ausgefeilte Baupläne leistungsstarker Windenergie-Anlagen gab es nicht. Wobben agierte "in einem seinerzeit aussichtslos erscheinenden Markt", erinnert sich Scheer, der als SPD-Umweltpolitiker seit 1980 Mitglied des Bundestages ist.

Daheim im ostfriesischen Aurich machte sich Wobben Anfang der achtziger Jahre ans Werk, und schuf in seiner Garage Windrad-Prototypen. "Ganz im Stile eines Thomas Alva Edisons oder Werner von Siemens", lobt Scheer. Eines der Windräder, das Wobben im stillen Kämmerlein baute, dreht sich noch heute in seinem Garten am Rande Aurichs und versorgt das eigene Einfamilienhaus.

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