Mittelstand
Deutschlands kommende Weltmeister

Als viele Konkurrenten vom Markt verschwanden, gelang SBS-Feintechnik der Sprung an die Weltspitze. Seinen Aufstieg verdankt der weltgrößte Hersteller von Kuckucksuhrwerken einer früh erfolgten Diversifizierung. Warum Deutschlands wachstumsstärkste und pfiffigste Firmen aus dem Mittelstand kommen.
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DÜSSELDORF. Frauen montieren im vierten Stock der Produktion von SBS-Feintechnik im Schwarzwaldort Schonach in Handarbeit Kuckucksuhrwerke. Einige der für die Region typischen Uhren hängen an der Wand. In einem anderen Gebäude klacken Jahrzehnte alte Maschinen monoton, wenn sie Draht einziehen und zu Gliedern für Uhrenketten formen. Direkt daneben produzieren High Tech-Anlagen lasergeprüfte Produkte für die Automobilindustrie.

Der Gegensatz ist charakteristisch für den weltgrößten Hersteller mechanischer Kuckucksuhrwerke. Obwohl dieser Markt schrumpft, gehört das inhabergeführte Familienunternehmen zu Deutschlands wachstumsstärksten Weltmarktführern. Mit den Uhrwerken beschäftigt es sich seit der Gründung als Messinggießerei im Jahr 1856. Der Sprung an die Weltspitze gelang in den 1980er-Jahren, als viele Konkurrenten vom Markt verschwanden.

SBS-Feintechnik hat überlebt, weil sich das Unternehmen mit knapp 300 Mitarbeitern nicht auf die exotisch wirkende Kuckuck-Nische beschränkt, sondern schon früh diversifiziert hatte. "SBS ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das sich neu erfunden hat", sagt der Unternehmensberater und Mittelstandsforscher Bernd Venohr. "Die feinmechanische Kernkompetenz aus dem Bau von Uhrwerken für Kuckucksuhren hat man erfolgreich auf andere, stärker wachsende Segmente übertragen."

Bau von Uhrwerken bildet den Kern der Motorenentwicklung

Thomas Burger, der das Unternehmen in der fünften Generation leitet, definiert SBS-Feintechnik als Systemlieferanten für Getriebe, Getriebemotoren und mechatronische Systeme. Man baut Antriebe für Küchen-, Spül- und Waschmaschinen, außerdem für Tore, Türen und Fenster, die automatisch öffnen und schließen. Fast die Hälfte des Umsatzes von 65 Mio. Euro erzielt SBS als Zulieferer der Autoindustrie. Kuckucksuhrwerke hat Burger vor allem deshalb noch im Sortiment, weil er sich der Unternehmenstradition verpflichtet fühlt. Für den Umsatz haben sie mit einem Anteil von fünf Prozent keine große Bedeutung mehr.

Die Schonacher belegen Platz 58 der 100 kommenden Weltmeister - ein Ranking, das Wirtschaftsprofessor Venohr zum zweiten Mal exklusiv für das Handelsblatt zusammengestellt hat. Um zu dem elitären Kreis zu gehören, müssen Unternehmen in ihrer Branche weltweit zu den Top 3 zählen oder führend in Europa sein, der Umsatz muss im Jahr 2006 unter 50 Mio. Euro gelegen haben und bis 2008 um durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr gestiegen sein.

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