Mittelstand
Die Stimmung wird immer besser

Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich im Oktober deutlich verbessert. Das ergibt das Mittelstandsbarometer der KfW-Bankengruppe und des Münchner Ifo-Instituts. Zumindest im Hinblick auf Neugründungen von Unternehmens sieht die aktuelle Lage derweil sehr viel düsterer aus.
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HB BERLIN/MANNHEIM. Die Unternehmen beurteilten sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate günstiger. Der Index legte 2,2 Zähler auf minus 3,8 Saldenpunkte zu. „Die deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas im Oktober zeigt, dass die konjunkturelle Erholung sich auch im Mittelstand weiter fortsetzt“, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Allerdings bleibe der befürchtete Anstieg der Arbeitslosigkeit ein Risiko für die Konjunktur im kommenden Jahr.

Das Barometer für die gegenwärtige Lage stieg um 1,5 Punkte auf minus 9,6 Zähler. Die Geschäftserwartungen kletterten um drei Zähler und liegen mit 2,2 Punkten inzwischen sogar wieder über der Wachstumsschwelle bei Null. Auch bei den Großunternehmen verbesserte sich die Stimmung, wenngleich auf niedrigerem Niveau.

Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich der Aufschwung fort. „Die Normalisierung der Industrie über die letzten acht Monate bildet, gemeinsam mit der Erholung beim Großhandel, auch die wesentliche Erklärung für den Anstieg des Gesamtindikators seit den historischen Tiefpunkten im März 2009“, schrieben die Forscher.

In der Bauwirtschaft trübte sich das Geschäftsklima bei den größeren Betrieben ein, während sich die Mittelständler knapp behaupten konnten. Im Einzelhandel verdüsterte sich die Stimmung dagegen bei den kleineren Firmen, während sie sich bei den Großunternehmen verbesserte. Entscheidend sei hier die künftige Entwicklung am Arbeitsmarkt, schrieben die Forscher: Vor dem Hintergrund der auslaufenden Möglichkeiten zur Kurzarbeit erscheine eine deutliche Verschlechterung am Arbeitsmarkt unvermeidlich.

Die Realität gibt jedoch weniger Anlass zur Freude: Die Zahl der neu gegründeten Unternehmen hat 2008 einen Tiefstand erreicht. Nach einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) entstanden im vergangenen Jahr 206 000 neue Firmen - der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung.

Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Rückgang rund sieben Prozent, teilte das ZEW am Dienstag mit. Am stärksten betroffen waren der Bausektor und der Handel. Dort lagen die Rückgänge bei 15 Prozent beziehungsweise elf Prozent. Im Maschinenbau sowie in der Mess- und Steuerungstechnik hatten dagegen noch mehr Menschen den Mut zur Selbstständigkeit.

Das ZEW führt den deutlichen Rückgang bei der Gründung neuer Unternehmen in Deutschland einerseits auf das schlechte konjunkturelle Umfeld zurück. Zudem habe die Wirtschaftskrise erst im laufenden Jahr auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Darum habe es 2008 noch nicht mehr Gründungen aus der Not heraus gegeben. Diese Entwicklung sei normalerweise bei steigenden Arbeitslosenzahlen zu beobachten.

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