Mittelstand
Existenzgründung mit Firmenkauf

Nicht konkurrenzfähige Produkte, veralterte Maschinen, Altlasten im Boden – jeder dritte Käufer eines Unternehmens muss innerhalb der ersten zwei Jahre aufgrund von unliebsamen Überraschungen nachfinanzieren. Wir sagen Ihnen, wie Sie das vermeiden können.
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DÜSSELDORF. Den zum Verkauf anstehenden metallverarbeitenden Betrieb in Esslingen hat Maschinenbauingenieur Karl Wendlinger im Internet entdeckt – in der nexxt-Unternehmensbörse der KfW Mittelstandsbank und des Bundeswirtschaftsministeriums. Beim Kauf des Betriebs von der nach dem Tod des Firmeninhabers entstandenen Erbengemeinschaft haben er und sein Berater Michael Ulmer vom Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (RKW) in Stuttgart an alles gedacht. An die genaue Überprüfung und Analyse aller Anlagen- und Wirtschaftsdaten bezogen auf das Unternehmen, die Branche und den Markt. An die Entwicklung einer unternehmerischen Strategie für die nächsten fünf Jahre, inklusive Gewinnerwartungen, die auf dem Motto basiert: Kaufe keine Firma bei der Du nicht sicher bist, dass Du sie verbessern kannst. An die Akquisitions- oder Übernahmefinanzierung mit Inanspruchnahme von Fördergeldern aus einem Anfang dieses Jahres aufgelegten Hilfsprogramm der Bundesregierung für mittelständische Unternehmen.

Das Programm sieht bis Ende 2010 Finanzhilfen in Höhe von 40 Milliarden Euro vor. Darlehen bis zu 50 Millionen Euro können Firmen mit maximal 500 Millionen Euro Jahresumsatz über die Hausbank beantragen. Für die Hausbank gilt eine 50- oder 90-prozentige Haftungsfreistellung. Aus einem speziellen Coaching-Programm wird Berater Ulmer mitbezahlt. Sein Tageshonorar beträgt 800 Euro, aus dem Fördertopf fließen 400 Euro, für maximal 15 Tage.

Möglichst viel Eigenkapital investieren

Obwohl heute geförderte Übernahmefinanzierungen in Verbindung mit einer Bürgschaftsbank bis zu 100 Prozent möglich sind, rät Bernd Fieseler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Käufern möglichst viel Eigenkapital zu investieren. Denn je höher die Eigenkapitalquote ist, desto leichter und günstiger kommt die Restfinanzierung – und auch eine mögliche Nachfinanzierung. Denn dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung zufolge stellt sich bei jedem dritten Firmenübernehmer innerhalb der ersten zwei Jahre heraus, dass die Betriebseinrichtung doch nicht so modern und die Produkte doch nicht so konkurrenzfähig wie angenommen sind.

Wendlinger sieht sich von solchen Überraschungen gefeit. Unabhängig von dem umfassenden Exposé über das Unternehmen, einschließlich Berechnung des Unternehmenswerts, das die Erbengemeinschaft von einem auf Firmenverkäufe spezialisierten Makler anfertigen ließ, führten er und sein Berater eine Bestandsaufnahme durch. „Alles muss vor Vertragsunterschrift bekannt und gläsern sein“, so die Devise.

Auch deshalb sprach Käufer Karl Wendlinger nicht nur mit dem Management, sondern ebenso mit Mitarbeitern in der Produktion, um die Stimmung an der Basis zu erfahren. Management und Mitarbeiter, die er gemäß Paragraf 613a BGB schriftlich von der kommenden Firmenübertragung informiert hat, möchte er zu den bisherigen Konditionen behalten. Alle bestehenden Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten sollen weiter bestehen.

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