Mittelstand
Flüchtlinge können den Fachkräftemangel nicht lindern

Vielen mittelständischen Unternehmen fällt es derzeit leichter, unter Flüchtlingen qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Doch einige Betriebe äußern auch Bedenken zu der Einstellung von Zuwanderern.
  • 1

StuttgartDie Suche nach qualifizierten Arbeitskräften unter Flüchtlingen fällt Mittelständlern in Deutschland leichter als noch vor einem Jahr. Der für viele Betriebe gravierende Fachkräftemangel lässt sich so aber nicht entscheidend lindern, wie aus einer Umfrage der Wirtschaftsberatung Ernst & Young hervorgeht.

Nur noch gut 23 Prozent der Unternehmen gaben an, dass es schwierig sei, qualifizierte Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu finden. 2015 waren es noch 43 Prozent. Das zeigt die Untersuchung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auch die Bedenken wegen der komplizierten Gesetzeslage während laufender Asylverfahren sind demnach zurückgegangen. Nur noch 34 Prozent der Befragten (Vorjahr: 58 Prozent) sehen das als Problem.

Dabei könnten gerade mittelständische Firmen einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leisten, sagte Ernst-&-Young-Chef Hubert Barth - „zumal viele als Ausbildungsbetriebe über entsprechende Erfahrungen verfügen und gerade jungen Flüchtlingen eine Perspektive geben können“.

Dennoch glauben nur noch 45 Prozent der befragten Firmen, dass Flüchtlinge dazu beitragen können, den Fachkräftemangel zu mildern. Im Vorjahr waren es 55 Prozent. Vier von fünf Mittelständlern nennen mangelnde Deutschkenntnisse, fast jeder zweite (46 Prozent) fehlende Qualifikation als Einstellungshindernis.

Dabei beschäftigt inzwischen jeder sechste Mittelständler schon Flüchtlinge. 59 Prozent wären grundsätzlich dazu bereit. Nur etwa ein Viertel will hingegen mit hoher Wahrscheinlichkeit oder ziemlich sicher keine Flüchtlinge beschäftigen.

Die konjunkturelle Lage ist dabei gut. Jeder zweite mittelständische Betrieb ist zufrieden mit seiner Geschäftssituation - der höchste Wert seit 2004. 38 Prozent gehen davon aus, dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten noch verbessert.

Allerdings macht vier von fünf Mittelständlern der Fachkräftemangel Sorgen. Vor allem Kraftfahrzeugtechnik und Elektrotechnik berichten über Probleme bei der Rekrutierung. Etwa jeder zweite Mittelständler (53 Prozent) klagt darüber, dass er wegen Personalmangels Aufträge nicht annehmen kann. Der dadurch entstandene Schaden dürfte sich nach Berechnungen von Ernst & Young auf jährlich etwa 49 Milliarden Euro belaufen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mittelstand: Flüchtlinge können den Fachkräftemangel nicht lindern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das erstaunt nicht allzu sehr und war dem Auswärtigen Amt bereits vor der Einladung dieser Gäste durch die Kanzlerin bekannt. Mit etwas Restverstand könnte man ein Einwanderungsverfahren analog Australiens etablieren und gezielt Menschen einwandern lassen die sich sinnvoll in die hiesige Gesellschaft integrieren lassen.

    Ich hatte ein paar Jahre im Mittleren Osten gelebt. Ich habe mich dort viel in den Herkunftsländern der Gäste der Kanzlerin aufgehalten.

    Es gibt eine Oberschicht <1% die z.B. an ausländischen, oder inländischen Eliteuniversitäten studiert haben und auch in D eine tragende Funktion übernehmen können. Diese Personen hatten mir gegenüber häufig Kanada, USA als Auswanderungsziel angegeben. Unter den Gäasten der Kanzlerin kann man diese vermutlich mit der Lupe suchen.

    Es gibt Absolventen der staatlichen Universitäten. Deren Wissensstand ist nicht mit einem D Dipl.-Ing. oder dergl. vergleichbar. Eine Chemikerin z.B. war bei uns als Laborkraft tätig. In D können diese Menschen z.Teil im Arbeitsmarkt erfolgreich sein.

    Es gibt Handwerker. Meistens haben Sie ihr Metier rein praktisch vom Vater erlernt. Theoretische Kenntnisse sind nicht vorhanden. Arbeitssicherheit etc. sind eine entfernte Galaxis. In einem Deutschen Betrieb dürften sie es schwer haben.

    Es gibt sehr viele Ungelernte und Analphabeten. Wie diese in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, sollte man die Kanzlerin fragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%