Mittelstand
Karriere mit dem Wischmopp in der Hand

Eberhard Sasse ist das Musterbeispiel für den neuen Selfmade-Mann in der Branche der Gebäudereiniger. Seine europaweit 4 000 Beschäftigten putzen die Busse in London, verwalten die Hochhäuser in Frankfurt und reinigen die Flugzeuge an deutschen Flughäfen.
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MÜNCHEN. Der Student hatte sich schon in vielem versucht, doch die Erfolge waren zunächst durchwachsen. Im Sommer verkaufte er Softeis, im Winter Tannenbäume. Ansonsten studierte der Sohn eines Architekten Politik und Jura. "Als ich wieder Geld brauchte, ging ich putzen", erinnert sich Eberhard Sasse.

Mit dem Wischmopp in der Linken und dem Putzeimer in der Rechten kam ihm die Idee: Wer Putzdienste richtig organisiert, der kann Großes in diesem Land bewegen. 1976 gründet Eberhard Sasse sein Unternehmen. Das ist eine Ewigkeit her, aber die Gründungsgeschichte ist Sasse immer noch präsent und wichtig.

Heute beschäftigt das Familienunternehmen Dr. Sasse AG 4 000 Menschen in Europa. Sasse putzt die Busse in London, verwaltet Hochhäuser in Frankfurt, reinigt die Flugzeuge an deutschen Flughäfen. Und obwohl der Münchener Unternehmer keine Autos, Maschinen oder Versicherungen verkauft, kennt er seinen Stellenwert in der Gesellschaft. "Auf Unternehmertypen wie mir ruht die deutsche Wirtschaft", sagt Sasse im Brustton.

Anfangsjahre waren bescheiden

Es ist der Gründerstolz der da spricht. Schließlich waren die ersten Jahre seines Unternehmens hart und bescheiden. Oft musste der Firmenchef abends selbst einspringen, wenn in seinen Kolonnen kurzfristig eine Kraft ausfiel. Noch heute bemisst Eberhard Sasse seine Manager auch nach deren Bereitschaft, selbst einmal einen Putzlappen in die Hand zu nehmen. "Gebäudereinigen ist ein Handwerk", doziert der Firmenchef.

Anfang der Neunziger Jahre machte Sasse umgerechnet noch nicht einmal fünf Mio. Euro Umsatz. Nach und nach gewinnen seine Putzkolonnen aber immer neue Kunden, vor allem unter Münchener Banken und Versicherungen. Die zahlten gut. Der studierte und weltgewandte Sasse galt außerdem als zuverlässig und vertrauenswürdig. Sasse nimmt seine Ehefrau Christine mit ins Unternehmen, heute ist die studierte Medizinerin die Personalchefin. Und in der Bank, in der er früher selbst putzte, ist er inzwischen Aufsichtsrat.

Sasse expandiert, es bliebt nicht beim Putzen. Mitte der Neunziger Jahre bekommt die Branche einen Schub in Deutschland. Die Anforderungen an Pförtner, Hausmeister und Heizungstechniker steigen, Dienstleister wie Piepenbrock, Dussmann aber auch Sasse erkennen ihre Chancen und bieten immer weiter gehende Dienstleistungen. Der Outsourcing-Boom treibt das Geschäft: Innerhalb weniger Jahre wächst Sasse rasant, heute macht die Unternehmensgruppe 125 Mio Euro Umsatz in ganz Europa. Die Kalkulation bleibt dennoch eng: Gerade vier Prozent Marge blieben bei Sasse 2008 hängen.

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