Mittelstand
MZ-Chef: "Vielleicht will Tschechien neue Jobs?"

Martin Wimmer will als neuer Miteigentümer den legendären Motorradhersteller MZ retten. Das ist aber schwieriger als gedacht. Im Interview mit Handelsblatt.com erklärt Wimmer, warum MZ keine Staatshilfen bekommt, wieso die Opel-Rettung bei ihm auf Unverständnis stößt - und wie die öffentliche Hand ihn praktisch ins Ausland treibt.

Herr Wimmer, Sie wollen den Motorradhersteller MZ mit Ihrer neuen Firma Motorenwerke Zschopau GmbH wiederbeleben. Haben Sie sich nach der Staatshilfe für Opel schon bei der Bundesregierung für ein paar Fördermittel gemeldet?

Im Moment kämpfen wir leider noch an ganz anderen Fronten - und zwar darum, überhaupt in Sachsen eine Hausbank zu finden. Deswegen sind wir auch noch nicht beim Thema Fördermittel angekommen. Denn ohne Hausbank, die das Projekt unterstützt und entsprechende Anträge dafür stellt, können auch keine Fördermittel beantragt werden. Wir können also gar nicht mit den Förderbanken, z.B. der KfW verhandeln. Seit 1.6. verfügen wir ja nicht einmal über einen Überziehungskredit. Das könnte sich mit einem entscheidenden Gespräch Mitte Juni allerdings ändern.

Wie finanziert sich die neue Firma dann nun?

Alles läuft zurzeit noch auf Eigenkapitalbasis. Meine Frau, mein Kollege Ralf Waldmann und ich haben bis jetzt einen siebenstelligen Betrag investiert.

Und wieso stehen sie bislang noch ohne Hausbank da?

Wir sind derzeit bei einer Bank normaler Kunde. Das Grundkonzept und die Chancen für MZ, die sich speziell nach unserem Einstieg für die Firma ergeben, sind zum Teil einfach noch nicht erkannt worden. Und von der politischen Seite her werden wir zwar sehr vom Oberbürgermeister der Stadt Zschopau, dem eigentlichen Sitz des Unternehmens, und dem Landtagsabgeordneten des Bezirks unterstützt, aber auf Landesebene sieht dies leider anders aus. Beim sächsischen Wirtschaftsminister fehlt offenbar noch das Verständnis dafür, was man tun sollte, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Schwere Vorwürfe. Aber woran hapert es konkret?

Wenn wir das Motorrad der Zukunft fürs Jahr 2015 entwerfen wollen würden, wären Fördermittel kein Problem und wurden uns auch zugesagt. Aber wenn man wie wir einfach nur die Produktion für vorhandene Motorräder - die wir auch verkaufen könnten - wieder hochfahren möchte, gibt es keine direkten Staatshilfen.

Opel hat ihre Probleme offenbar nicht. Und für den angeschlagenen Warenhaus-Konzern Arcandor sieht es auch nicht unmöglich aus, noch Staatshilfen zu bekommen. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Unverständnis. Im April ist der Wirtschaftsminister nach einem lokalen Pressebericht nocheinmal aktiv geworden und hat eine hochrangige Runde mit uns einberufen, allerdings ohne selbst anwesend zu sein. Das endete dann leider wieder mit der alten Begründung: Zukunftstechnologien ja, aber das neue Unternehmen und der Produktionsstart ist nicht förderbar. Dabei haben wir natürlich auch Konzepte für die Zukunft der Motorenwerke Zschopau, nur sichern uns die halt nicht die Gegenwart. Da brauchen wir Produkte, die jetzt sofort verkäuflich sind. Dafür wollen wir als neue Investoren wieder die Produktion hochfahren, wofür wir entsprechende Kredite und Bürgschaften benötigen würden.

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