Mittelstand
„Nicht dem Terror der Analysten aussetzen“

Dass der Mittelstand die Stütze der deutschen Wirtschaft ist, gilt inzwischen als Binsenweisheit. Doch was unterscheidet einen Mittelständler eigentlich von Nicht-Mittelständlern? Management-Professor Fredmund Malik von der Schweizer Universität St. Gallen nennt die Erfolgsformel und weiß, warum Mittelständler erfolgreicher sind als börsennotierte Unternehmen.

Herr Malik, welchen Typ Unternehmen meinen wir eigentlich, wenn wir von „Mittelständlern“ sprechen?

Mir gefällt der Begriff nicht. Er stammt aus dem vorigen Jahrhundert und ist falsch belegt. Bisweilen klingt er sogar ein wenig spöttisch. Ich benutze den Begriff UGU. Das steht führ Unternehmerisch geführte Unternehmen. Firmen wie Würth, Otto, Boehringer Ingelheim oder Doktor Oetker sind UGU und erwirtschaften rund zwei Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung.

Was unterscheidet „UGU“ von anderen Unternehmen? Die Größe ja wohl nicht.

In der Tat hat es mit Größe nur sehr bedingt zu tun. Der Unterschied liegt an der Art der Führung. UGU unterliegen nicht dem Terror der Finanzanalysten. Sie sind nicht primär an der Steigerung des Gewinns orientiert. Sie schauen auf ihre Kunden und die Konkurrenten.

Was zeichnet „UGU“ außerdem aus?

Sie sind meistens spezialisiert. Viele sind auf ihrem Gebiet führend. Sie sind im Hinblick auf Service, Qualität und Kundenorientierung weit vorne.

Was machen Firmenlenker von „UGU“ besser als die Vorstände von börsennotierten Unternehmen?

Wie gesagt: Gewinnmaximierung führt zu Fehleinschätzungen. Aber es geht vor allem um die Mentalität: Der Geschäftsführer eines UGU will vor allem eines ums Verrecken nicht: Einen Chef haben. Er will frei sein. Er will der Welt beweisen, dass er von einer im Zweifel auch kleinen Sache mehr versteht als der Rest der Welt.

Wie könnte eine Erfolgsformel lauten?

Halte dich fern vom Terror der Finanzanalysten. Mache nie Schulden, gerate nie in die Fänge von Banken. Überbrückungskredite sind im Zweifel noch in Ordnung, aber ansonsten ist Liquidität Trumpf. Orientiere dich nicht am Maximieren des Gewinns, sondern investiere lieber in Innovationen.

Geht es Mittelständlern jetzt in der Krise unterdurchschnittlich gut oder eher schlechter als größeren Unternehmen?

Im Verhältnis dürften UGU diese schwierige Phase besser überstehen. Sie können einfach schnell reagieren und haben treuere Kunden.

Was unterscheidet die Finanzierung in dieser schwierigen Zeit von der in früheren Jahren?

Die guten UGU sind nach wie vor selbst finanziert. Sie glauben eben nicht, dass die Börse ihnen Kapital gibt, sondern die Kunden. Aber natürlich geben die Banken derzeit die niedrigen Zinsen nicht wie gewünscht an die Firmen weiter. Außerdem stören UGU besonders die starren Basel-II-Regeln. Hier gelten Ratings mehr als der persönliche Eindruck. Wie viel ist die Idee wert? Wie seriös ist die Strategie? Kann man der- oder demjenigen vertrauen? Das ist doch erheblich wichtiger als starre Regeln.

Wie sollte man die Nachfolge idealerweise regeln?

Wichtig ist, Familie und Unternehmen getrennt zu halten. Die Nachfolge sollte rechtzeitig geregelt werden. Ich nenne da immer das Beispiel Haniel: Der alte Franz Haniel hatte alles bis ins Detail in Verträgen geregelt. Da war klar: Kein Familienmitglied kommt in den operativen Bereich, sprich in den Vorstand. Und kein Nicht-Familienmitglied darf in den Aufsichtsrat.

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