Mittelstand
Überleben mit kreativer Finanzierung

In der Krise wird die Luft dünn, vor allem für Mittelständler. Wenn die Liquidität schwindet und sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalgeber kein frisches Geld geben, ist Kreativität gefragt. Die Biogasunternehmen Nawaro aus Leipzig und EnviTec Biogas aus Lohne haben trotz Krise überlebt - jedes auf seine Weise.

HAMBURG. Die Leipziger Nawaro BioEnergie AG war vor einem Jahr durch Finanzkrise und die Novellierung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) auf dünnes Eis geraten. Nach einem schwierigen Finanzierungsprozess steht der Hersteller und Betreiber von Biogasparks nun wieder auf sicherem Boden in einem zukunftsträchtigen Markt.

Felix Hess war 20 Jahre lang Consultant bei Roland Berger und zuletzt als Senior Partner verantwortlich für das Industriesegment der Strategieberatung. 2006 gründete der Ingenieur zusammen mit Balthasar Schramm, Jochen Tilger und Eckhard Pratsch das Bioenergie-Unternehmen Nawaro. Das Quartett startete erfolgreich: Dem ersten industriellen BioEnergie Park "Klarsee" in Mecklenburg-Vorpommern sollte 2007 der zweite im mecklenburgischen Güstrow folgen. Der Park war bereits zum Teil errichtet, als die beginnende Finanzkrise das Projekt gefährdete: Viele private Anleger, von denen rund 49 Mio. Euro über Geschäftsbanken für einen von der IGB AG aufgelegten geschlossenen Fonds eingesammelt werden sollten, zögerten monatelang. Mehrere Banken, die weitere 55 Mio. Euro als Fremdkapital beisteuern sollten, waren "offensichtlich handlungsunfähig", wie Hess beklagt. Was tun? Nawaro und IGB holten sich den auf Projektfinanzierung spezialisierten Dienstleister SPF Partners ins Boot. Gemeinsam wurde nach intensiver Suche ein neues Geldinstitut gefunden, das langen Atem bewies: die KfW Ipex Bank, Tochter der staatlichen Förderbank. Außerdem gelang es Nawaro, private Kreditgeber zu finden, die einen "hohen siebenstelligen Betrag" für sechs Monate zur Zwischenfinanzierung bereitstellten. "Damit konnten wir die Durststrecke überbrücken", erläutert Vorstandschef Hess. Er ist froh, dass er keine VC-Gesellschaft an Nawaro beteiligt hat, denn Wagnisfinanzierer strebten in der Regel nicht nur die Anteilsmehrheit an, sondern auch einen schnellen Exit: "Wir Gründer aber nicht. Wer weiß, ob ein Wagnisfinanzierer in unserer schwierigen Phase Ruhe bewahrt hätte." Über einen Notverkauf habe das Unternehmerteam aber auch selbst nachgedacht. "Wir mussten einfach Alternativpläne durchspielen."

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