Mittelstand
Von der Hausfrau zur Firmenchefin im Eigenstudium

Nach dem Tod ihres Mannes stieg Renate Pilz in den Familienbetrieb ein. Sie hat den technologischen Marktführer für sichere Automation konsequent internationalisiert: Heute macht das Unternehmen Geschäfte auf allen Kontinenten.

KÖLN. Die Theaterkulissen der Wiener Hofburg, die Gepäckförderanlage am Amsterdamer Flughafen Schiphol und die Parsennbahn in Davos haben eines gemeinsam: Sicherheitslösungen von Pilz sorgen dafür, dass die Anlagen gefahrlos laufen und sich reibungslos bewegen. Die Produkte der Pilz GmbH und Co. KG sorgen durch Funktionen wie Schutztür, Not-Aus und Lichtschranken für den Schutz von Mensch und Anlagen und kommen in allen möglichen Maschinenbaufeldern zum Einsatz.

In der 60-jährigen Firmengeschichte machte Pilz immer wieder durch Innovationen von sich reden und setzte damit Standards: „Was unser Unternehmen auf den Markt bringt“, sagt Renate Pilz, Geschäftsführerin des Ostfilderner Unternehmens und Chefin über weltweit 1 300 Mitarbeiter, „wird bald vom Wettbewerb eins zu eins kopiert.“ Pilz ist stolz auf den Erfindergeist ihrer Belegschaft und hat eine ganze Liste an Innovationen parat, die sich als Branchenstandard etabliert haben: „1968 haben wir zum Beispiel das erste Zweihand-Bedienrelais auf den Markt gebracht“, sagt sie. „1987 folgte das erste Not-Aus-Schaltgerät. Und 2002 schließlich das frei konfigurierbare und modulare Sicherheitsschaltgerät PNOZ multi.“

Hinter all den Neuigkeiten steckt die Suche nach mehr Sicherheit in der Automation. Das gilt auch für die jüngste Entwicklung, das Kamerasystem Safety-Eye zur dreidimensionalen Raumüberwachung. Die Ostfilderner wurden dafür sogar für den Hermes Award, den international höchst dotierten Wirtschafts- und Technologiepreis, nominiert. „Meines Wissens wurde das Safety-Eye bis jetzt noch nicht von der Konkurrenz nachgebaut. Aber ich denke, da ist man mächtig dran“, sagt Renate Pilz und lächelt.

Die gebürtige Göppingerin hat spürbar Freude an ihrer Arbeit, auch wenn ihre Karriere nicht geplant war: „Ich war eine glückliche Hausfrau und Mutter“, sagt sie. Das sei sie heute noch – wenngleich sie an der Spitze jenes Unternehmens steht, dessen Name als bedeutendste Marke für sichere Automation gilt. Nach dem Tod ihres Mannes und damaligen Pilz-Geschäftsführers Peter Pilz im Jahr 1975 war für Renate Pilz eines besonders wichtig: „Die Visionen meines Mannes sollten erhalten bleiben“, sagt die heute 67-Jährige.

Darum stellte sie Manager ein, die das Unternehmen leiteten und bezog selbst zunächst den Posten als Vorsitzende des Beirats. In dieser Funktion arbeitete Renate Pilz auch intensiv im Betrieb mit – vor allem um zu lernen: „Ich habe mir meine Kenntnisse mehr oder weniger im Eigenstudium angeeignet“, sagt sie stolz. „Entscheidend für meinen Erfolg war der starke Wille und die Freude an der Arbeit.“ Außerdem erhielt sie viel Zuspruch aus den eigenen Reihen: „Der überwiegende Anteil unserer Mitarbeiter blieb dem Unternehmen treu, obwohl sie mich als Person gar nicht kannten. Dieses Vertrauen gibt mir bis heute Kraft.“

Was Peter Pilz zu Lebzeiten noch begonnen hatte, führte seine Frau nach seinem Tod konsequent fort: „Mein Mann stand für die Internationalisierung des Unternehmens, die mit der Gründung eigener Tochtergesellschaften in Österreich und in der Schweiz ihren Anfang nahm“, erklärt sie. Und genau deshalb stieg sie auch vom Beitrat in die Geschäftsführung um: Als ihr der Aufbau neuer Niederlassungen nicht mehr schnell genug ging, übernahm Renate Pilz 1994 das operative Ruder: „Es stand ohnehin ein Wechsel in der Geschäftsleitung an, also habe ich es einfach selbst in die Hand genommen.“

Heute ist Pilz auf allen Kontinenten vertreten: Neben dem Stammhaus in Ostfildern vertreiben Tochtergesellschaften in 24 Ländern die Produkte der Baden-Württemberger. Die Hauptabsatzmärkte von Pilz liegen so auf der ganzen Welt: Fast 63 Prozent des Umsatzes ergeben sich aus dem Export. Für die Geschäftsleiterin eine Bestätigung ihres Auslandskurses: „An der Zahl sieht man, wie wichtig es auch für einen Mittelständler ist, sehr frühzeitig zu internationalisieren.“

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