Mittelstand
Wer am Sessel klebt, bremst die Familienfirma

Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder zu viele Gesellschafter mitmischen, wachsen diese in der Regel langsamer. Große Stücke setzen Familienbetriebe mittlerweile auf China – die USA verlieren an Fans.
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DüsseldorfEigentümerstruktur und Wachstumsperspektiven hängen in Familienunternehmen offenbar eng zusammen: Unternehmen wachsen langsamer, wenn nur einer das Sagen hat oder wenn sehr viele Gesellschafter Einfluss haben. Das ist das Ergebnis einer Studie unter 461 geschäftsführenden Gesellschaftern des Wittener Instituts für Familienunternehmen (Wifu) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, die dem Handelsblatt vorliegt (Montagausgabe).

„Für die befragten Familienunternehmen gilt: je höher der Anteil familienfremder Geschäftsführer und je kürzer die Amtszeit der Geschäftsführer ist, desto eher nimmt das Wachstumstempo zu“, erklärt PWC-Vorstand Peter Bartels. Wifu-Direktor Tom Rüsen warnt aber vor voreiligen Schlüssen: „Eine optimale Anzahl der Familiengesellschafter gibt es nicht.“ Denn Unternehmen wie Merck und Freudenberg mit 200 oder noch mehr Gesellschaftern organisieren ihre Entscheidungen sehr effizient, indem sie nur einen kleinen Beirat als entscheidungsfähig entsenden.

Rüsen prophezeit, dass bald Bewegung in das Thema Unternehmensanteile kommen wird: „Wir stellen gerade fest, dass zurzeit die Anteile wieder früher übergeben werden – wegen der anhaltenden Diskussion über die Erbschaftssteuer.“ Mehr als die Hälfte der Firmenchefs halten mindestens 40 Prozent der Anteile am Unternehmen, zeigt die Studie.

Mehr als zwei Drittel der befragten Firmen investieren Geld in China und damit hat das Land den USA den Spitzenrang knapp abgejagt, stellt Bartels fest. Wifu-Direktor Rüsen, hat noch etwas anderes beobachtet: „Die aktuellen Nachfolger müssen sich nun häufiger in China bewähren, bevor sie Führungsverantwortung übernehmen.“ Die Väter seien in die USA gegangen, die Kinder sollen nun das Geschäft in Asien aufbauen. Familienunternehmen mit Aktivitäten in China, Indien und Südamerika wachsen schneller als Familienunternehmen, die nur in einem oder keinem dieser Länder aktiv sind.

Mit fast 40 Prozent wachsen immer mehr Familienunternehmen auch durch Akquisitionen. Die Studie belegt: Fast ein Fünftel der Befragten gründen und kaufen Konkurrenten im In- und Ausland, einem Drittel der Unternehmer sind ausländische Übernahmen zu heikel und ein Viertel schließt Übernahmen ohnehin komplett aus, sie wachsen nur organisch und in der Heimat.

Insgesamt blicken die Familienunternehmen auf erfolgreiche Geschäftsjahre zurück. Drei Viertel der befragten 461 Familienunternehmen konnten ihre Umsätze in den letzten fünf Jahren steigern, ein Viertel sogar stark. Parallel dazu bauten 63 % der Unternehmen ihre Mitarbeiteranzahl aus, 67 % steigerten ihr Anlage- und Umlaufvermögen. Auch im Hinblick auf die Profitabilität blicken die befragten Familienunternehmen durchaus auf erfolgreiche fünf Jahre zurück: Knapp die Hälfte der Gesellschaften konnte ihre Profitabilität steigern, 16 % mussten dagegen Einbußen in Kauf nehmen.

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