Mittelstandsförderung
Geldspritzen für Gründer

Existenzgründer können auf Hilfen aus zahlreichen Quellen hoffen. Kreditinstitute jedenfalls schreiben sich die Förderung des Mittelstandes, insbesondere die Gründerhilfen, auf die Fahnen.

KÖLN. "Existenzberatung macht jeder, aber bei uns werden die Gründer mit offenen Armen aufgenommen", verspricht Gustav Adolf Schröder, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Köln-Bonn. Seine Behauptung sieht er gestützt von einer Studie der Universitäten Köln und Lüneburg. Sie nennt als einen Grund für die hohe Zahl von Unternehmensgründungen in der Region die guten Finanzierungsmöglichkeiten.

Auch die Sicherung von bestehenden Unternehmen und die Mittelstandsförderung gedeihen in einem besonderen Klima. Zwar zählt Köln mehr als 128 in- und ausländische Institute, bestimmt wird das Geschehen aber vom mittelständisch geprägten Kreditgewerbe mit Stammsitz in Köln: Die beiden Sparkassen, die genossenschaftlich organisierte Kölner Bank von 1867 und das Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. geben in der Domstadt den Ton an.

Wenn es um die Beratung und Begleitung von Existenzgründern geht, führt Schröder gerne die 1997 von seinem Haus, McKinsey und Gerling aus der Taufe gehobene Initiative NUK, ehemals "Neues Unternehmertum Köln" an. Weil sich unlängst Düsseldorf, Wuppertal und Aachen der Initiative angeschlossen haben, heißt sie nun bereits "Neues Unternehmertum Rheinland". NUK veranstaltet jährlich einen Wettbewerb um die besten Business-Pläne von Existenzgründern. Ein Netzwerk ehrenamtlich arbeitender Steuerberater und Rechtsanwälte sowie von der Sparkasse freigestellte Mitarbeiter stehen den Neulingen bei.

"Das kostet uns viel Arbeit in der Vorbereitung, aber wir erreichen damit eine bessere Ansiedlungsqualität als andere Regionen", sagt Schröder. Über 663 Gründungen mit mehr als 3 000 Arbeitsplätzen wurden so ins Leben gerufen. Gründer können neben Wagniskapital auch Leistungen von Technologiezentren in Anspruch nehmen. Dabei legt die Sparkasse Köln-Bonn ihre Schwerpunkte auf die regionalen Wachstumsbranchen Biotechnologie und Medien. Nachdem die Kirch-Pleite viele Zulieferbetriebe der Medienlandschaft in Mitleidenschaft gezogen hatte, belebe sich dieses Geschäft wieder. So zog der Fernsehsender N-TV nach Köln, auch beim Lokalfernsehen herrscht Aufbruchstimmung. Hierfür stellte die Sparkasse Flächen zur Verfügung.

Auch für die Kreissparkasse ist die Gründungs- und Kreditberatung Kerngeschäft. Sie vermittelt nicht nur öffentliche Förderprogramme, sondern ist auch beteiligt an 18 Wirtschaftsförderungsgesellschaften und sechs Technologie- und Gründerzentren. Vier Fünftel ihrer Aktiva sind Kredite, davon wurden über die Hälfte an Firmenkunden und Selbstständige vergeben. "Wir sind sehr bewusst Partner für den Mittelstand, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist", sagt Alexander Wüerst, seit Februar Vorstandsvorsitzender der drittgrößten Sparkasse. Angesichts der hohen Insolvenzquoten hätten die Kreditinstitute zuletzt ihren "Risikoappetit gezügelt".

Die Kreissparkasse habe seit 1996 über 1 900 Gründungen begleitet, die 4 700 Arbeitsplätze geschaffen hätten. Die Wirtschaftsstruktur im Geschäftsgebiet, das die Kreise Rhein-Erft, Rheinisch-Berg, Oberberg und Rhein-Sieg umfasst, sei ausgewogen. Daher könne man auf eine gezielte finanzmathematische Branchengewichtung verzichten, sagt Wüerst.

Es gelte der Grundsatz, keine Branchen auszugrenzen, sondern allen Wirtschaftstreibenden mit der gesamten Palette an Bankleistungen zur Verfügung zu stehen. So komme es, dass die Kreissparkasse mit mehr als der Hälfte aller Unternehmen in ihrem Geschäftsgebiet eine Geschäftsbeziehung unterhalte.

Anders als die Sparkassen, die auch in den umliegenden Kreisen oder auch in Bonn tätig seien, konzentriere sich sein Institut ausschließlich auf die Stadt Köln, sagt Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorstandsvorsitzender der Volksbank. "Wir sind die einzige echte Kölner Bank für den Mittelstand." Im Zuge der Neuausrichtung werde das Haus zu einer Vertriebsbank ausgebaut. "Wir wollen unseren Kunden keine Produkte verkaufen, sondern Lösungen", erläutert Schoenaich-Carolath. "Anhand von Gesprächsleitfäden für die unterschiedlichen Zielgruppen erarbeiten wir den Bedarf unserer Kunden."

Darüber hinaus würden die Vertriebsstrukturen neu aufgestellt und alle 30 Filialen für zusammen 14 Millionen Euro umgebaut. Da ein zentrales Problem der Firmenkunden die Eigenkapitalausstattung sei, plane die Bank, sich innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes an der WGZ Venture Capital zu beteiligen. Damit könnte sie ihren Kunden künftig auch Mezzanine-Kapital, eine Art Eigenkapitalersatz, bereitstellen. In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer würden zudem einfachere Finanzierungsformen für Handwerksbetriebe entwickelt.

Das über 200 Jahre alte Bankhaus der Eigentümerfamilien Oppenheim und Pferdmenges engagiert sich mit Ausnahme besonders großer Volumina nicht im klassischen Kreditgeschäft. "Wir sehen uns nicht als Universalbank alten Stils, sondern als moderne, integrierte Vermögensverwaltungs- und Investmentbank", sagt Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der größten Privatbank Europas. "Insbesondere unsere mittelständischen Kunden profitieren von dieser Verbindung, sowohl durch unsere individuelle und unabhängige Beratung, als auch durch unsere innovativen State-of-the-Art-Produkte. Unser Erfolgsrezept ist ein auf Dauer angelegtes Relationship-Management mit unseren Kunden."

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