Mittelstandsinitiative
Die Börse Stuttgart umwirbt den Mittelstand

Die Börse Stuttgart hat unter dem Slogan "Fokus BW" eine neue Mittelstandsinitiative gestartet, um kleineren Firmen mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt zu verschaffen. Im Mittelpunkt stehen zwei Aktienindizes. Mit den neuen Indizes will die zweitgrößte deutsche Börse für kleinere Unternehmen attraktiver werden.

FRANKFURT. Der BWX 15 für die 15 größten schwäbischen Konzerne und der BWX M, der den börsennotierten schwäbischen Mittelstand umfasst. Die Börse Stuttgart vollzieht damit einen Wechsel in ihrer Mittelstandsstrategie. Bislang bot sie kleineren Firmen ein Listing im Segment "Gate-M", das es nun nicht mehr gibt. "Wir wollen mit den Indizes den Firmen in Baden-Württemberg eine Sichtbarkeit verschaffen, die es so bislang nicht gab", sagte Ralf Dreyer, an der zweitgrößten Börse in Deutschland für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells zuständig ist.

Zunächst können Anleger über ein Zertifikat der Landesbank Baden-Württemberg in den BWX 15 investieren. Er enthält bekannte Werte wie Porsche und Wüstenrot. Bei Erfolg seien weitere Produkte auch auf den BWX M denkbar, so Dreyer. Zunächst solle etwa auf Messen für den neuen Index geworben werden. Außerdem wolle man den Firmen auf Wunsch Unterstützung bei der Investorenansprache anbieten.

Die Börse Stuttgart geht mit "Fokus BW" gezwungenermaßen neue Wege im Werben um den Mittelstand. Bislang hatten die Schwaben versucht, Firmen aus der Region zu einem Börsengang am Marktsegment "Gate-M" zu bewegen. Das 2004 gestartete Segment schmolz von zwischenzeitlich 24 Firmen auf 15 zusammen. Das ursprünglich anvisierte Ziel, 50 Firmen an "Gate-M" zu notieren, erwies sich als utopisch. Ähnlich ergeht es auch der Börse München mit ihrem 2005 gegründeten Mittelstandssegment "M:Access", das seit gut einem Jahr keinen Neuzugang gesehen hat - obwohl es das erfolgreichste europäische Mittelstandssegment, den Londoner "AIM", geschickt nachbildet. Grund für das flaue Abscheiden ist offenbar der Erfolg des Frankfurter Börsensegmentes "Entry Standard". Auch er lockt mit niedrigen Kosten für einen Börsengang von wenigen zehntausend Euro und geringen Anforderungen für die Zeit danach. Das Plus des "Entry Standards": Die Aufmerksamkeit der internationalen Finanzgemeinde für die Börse Frankfurt. Trotz der schweren Kapitalmarktturbulenzen verzeichnete der "Entry Standard" im vergangenen Jahr 43 Börsengänge und hat derzeit 110 Mitgliedsunternehmen. Einige Regionalbörsen geben sich vor diesem Hintergrund vorsichtig "Man muss realistisch sein: Es wird nur in Ausnahmefällen exklusive Börsengänge außerhalb Frankfurts geben. Am Ende kommt keine Firma am größten Börsenplatz vorbei. Dort sind die Investoren, nicht in der Provinz", sagte der Manager einer der kleineren deutschen Börsen. Dreyer will sich nicht so schnell geschlagen geben. "Es muss langfristig das Ziel sein, den baden-württembergischen wie den gesamtdeutschen Mittelstand für die Börse Stuttgart als präferierten Marktplatz zu gewinnen", so der Börsenmanager, der sein Handwerk bei der Deutschen Börse in Frankfurt gelernt hat.

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