Modelleisenbahnhersteller
Notmaßnahmen: Märklin muss Millionen sparen

Der schwäbische Modelleisenbahnhersteller Märklin kommt entgegen früherer Aussagen von Geschäftsführer Axel Dietz nicht aus den roten Zahlen und muss Notmaßnahmen ergreifen. Um die Zukunft des Standorts Göppingen zu sichern, wird es die Mitarbeiter hart treffen.

DÜSSELDORF. Pro Jahr sollen fünf Millionen Euro Personalkosten eingespart werden. Dies teilte die Märklin-Geschäftsführung den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung in Göppingen am Mittwoch mit. Die Geschäftsleitung habe den Betriebsrat zu entsprechenden Gesprächen eingeladen. Dies bestätigten Teilnehmer der Versammlung gegenüber dem Handelsblatt. Märklin bestätigte Aufnahme der Gespräche, wollte sich zu Details jedoch nicht äußern.

Der Betriebsrat reagierte zunächst skeptisch. Märklin hat bereits mehrere Jahre mit Personalkürzungen und Werksschließungen hinter sich. Die Belegschaft ist wütend darüber, dass zahlreiche Sanierungsrunden mit Unternehmensberatungen offenbar keinerlei Wirkung zeigen und nun erneut beim Personal gekürzt werden soll. Trotz offensichtlicher Erfolglosigkeit wurden die Unternehmensberater hoch vergütet. Allein 2006 zahlte Märklin laut Geschäftsbericht für "Rechts- und Restrukturierungsberatung sowie sonstige Beratung" 5,13 Millionen Euro. Der Großteil hiervon entfiel auf die Sanierungsexperten von Alix Partners. Deren Tagessatz liegt bei 3 000 bis 5 000 Euro pro Berater. 2007 fielen laut Unternehmenskreisen ähnlich hohe Beratungskosten an wie 2006.

Dass Märklin nun erneut Millionen einsparen muss, konterkariert frühere Aussagen des Märklin-Geschäftsführers Axel Dietz. Dieser hatte anlässlich der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar verkündet, Märklin liege knapp zwei Jahre nach der Übernahme des Unternehmens durch den Finanzinvestor Kingsbridge Capital "voll auf Kurs". Das Unternehmen sei "mit dem Ziel langfristiger Wettbewerbsfähigkeit neu ausgerichtet", sagte Dietz. Märklin habe "über den Tag hinaus eine solide Basis für erfolgreiches Wachstum gelegt. Das Unternehmen denke auf dieser stabilen Basis sogar an Zukäufe.

Nach Angaben der Geschäftsführung steigerte Märklin seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2008 um 20 Prozent auf 50 Mill. Euro. Diese Zahlen werden in der Belegschaft bezweifelt. Selbst wenn sie zutreffen, bringt das Umsatzplus für Märklin zunächst vor allem Schwierigkeiten. In Unternehmenskreisen hieß es gestern, Märklin werde auch 2008 operativ rote Zahlen schreiben. Ziel sei für 2009 ein ausgeglichenes Ergebnis - dies könne aber nur mit den nun vorgeschlagenen Kürzungen bei den Personalkosten erreicht werden. Nach Aussagen von Mitarbeitern auf der Betriebsversammlung war Märklin im ersten Halbjahr 2008 vorübergehend zahlungsunfähig. Dem sei von der Geschäftsleitung nicht widersprochen worden. 2007 lag der Jahresfehlbetrag bei rund 14 Mill. Euro. Der Umsatz betrug 126 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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