Möbelmesseveranstalter MOW
Die stille Alternative in der westfälischen Provinz

Im beschaulichen Bad Salzuflen sitzt einer der größten Möbelmesseveranstalter. Die Messe (MOW) ist Deutschlands einziger privater Messeveranstalter mit eigenem Messegelände. In ihrer Nische haben die Provinzler sogar die Großen das Fürchten gelehrt.

BAD SALZUFLEN. Dass man die Provinz nicht unterschätzen soll, hat sich inzwischen auch in der Messebranche herumgesprochen. Im ostwestfälischen Bad Salzuflen sitzt mit der MOW Messe immerhin Deutschlands einziger privater Messeveranstalter mit eigenem Messegelände. "Wir sind die stille, heimliche aber erfolgreiche Alternative aus der Provinz", sagte MOW-Geschäftsführer Bernd Schäfermeier dem Handelsblatt. Der Umsatz am Standort liegt zwar im vergleichsweise bescheidenen zweistelligen Millionenbereich. Mitarbeiter werden nur 15 beschäftigt. Mit einer Fläche von 70 000 qm in Bad Salzuflen und weiteren 50 000 qm im benachbarten Barntrup gehöre die MOW aber zu den Top Ten in Deutschland, sagte Schäfermeier. Und: "Als privatwirtschaftliches Unternehmen müssen wir auch finanziell Erfolg haben, denn wir erhalten keine öffentlichen Zuschüsse."

Die Nische Möbelmessen wurde zur Keimzelle einer regionalen Messegesellschaft, die nun sogar Großen das Fürchten lehrt. Hinter der 1984 gegründeten MOW, die aus Hausmessen westfälischer Möbelhersteller hervorging, stehen Familiengesellschafter aus der Möbelbranche und mit der Familie Reibchen ein Spediteur. Schäfermeier hat nun seine stärkste Fachmesse, die Möbelmesse Ostwestfalen (ebenfalls MOW abgekürzt) mit ihren 500 Ausstellern, ab 2009 vom Herbst auf den Mai vorgezogen. In der Branche gilt dies als Kriegserklärung an Köln. Denn die Rheinländer veranstalten ihre Möbelmesse imm cologne im Januar.

Dank hoher Überkapazitäten bei den Ausstellungsflächen ist der Kampf um die Aussteller mörderisch. Köln bekommt dies nun bei den Möbeln zu spüren und hat prompt reagiert: Koelnmesse-Chef Gerald Böse erklärte die imm zur Chefsache und hat Möbelmesse-Geschäftsführer Wolfgang Kranz abberufen. Offiziell ist zwar nur von "unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der künftigen strategischen Ausrichtung" die Rede. Doch steht Köln mächtig unter Druck, da viele Aussteller Kurskorrekturen und die Küchenbranche sogar eine eigene Messe fordern. Böse selbst hatte kürzlich auf der Bilanzpressekonferenz die Richtung bereits gewiesen: "Wir müssen jede Messe behandeln, als wäre es die erste. Wir müssen jeden Kunden behandeln, als käme er zum ersten Mal nach Köln." Selbstläufer wie noch vor zehn Jahren gebe es nicht mehr. Köln sei zwar bei wichtigen Messethemen führend, doch "wir tragen dies nicht gebührend in die Welt hinaus."

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