Movinga „Wir sind zu schnell gewachsen“

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„Wir haben sogar schon wieder neue Leute eingestellt“

Ein Uber für Umzüge?
Wir sind kein Uber. Man kann uns eher mit Flixbus vergleichen: Die Busbranche hat ihre Gewinne erhöht, seit Flixbus ihnen eine höhere Auslastung und ein besseres Marketing garantiert. MyTaxi ist ein ähnliches Beispiel, welches auf eine existierende Taxi Infrastruktur aufsetzt, diese jedoch besser auslastet und digitalisiert. Wir wollen ein solcher Partner für die mittelständischen Umzugsunternehmen sein, der ihnen dabei hilft, digitale Strategien für ihr Geschäft zu nutzen. Das war die Grundidee von Movinga. Die ist gut, das möchten wir der Branche gern beweisen.

Was genau ist eigentlich so digital an Movinga? Die meisten Aufträge rekrutieren Sie doch ganz klassisch per Telefonakquise.
Wir haben mehrere Verkaufs-Kanäle. Zu Anfang haben wir tatsächlich viel über Telefon akquiriert, inzwischen bucht ein großer Teil unserer Kunden direkt über die Webseite. Langfristig wollen wir die Prozesse so digitalisieren, dass die eingehenden Aufträge komplett automatisch mit den Routen und den Kapazitäten der Spediteure abgeglichen werden. Das spart allen Seiten Aufwand. Außerdem haben wir ein professionelles Online-Marketing-System. Unsere Leute haben in erfolgreichen Start-ups gearbeitet und gelernt. So viel Fachwissen kann sich ein einzelnes Umzugsunternehmen nur sehr schwierig aneignen. In die Technik wollen wir noch viel investieren. Dafür haben wir sogar schon wieder neue Leute eingestellt.

Global wollte Movinga auch sein. Im Januar war noch von einer baldigen Expansion in die USA die Rede. Bis auf Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich haben Sie alle Märkte wieder geschlossen.
Unsere Plattformen in Italien, Großbritannien und Irland haben wir vorerst heruntergefahren, ja. Wir wollen uns jetzt lieber erst mal ganz auf die Prozesse in unseren Kernländern konzentrieren. Das ist auch der Grund, warum Mitarbeiter gegangen sind. Die Entscheidung ist uns - wie gesagt - überhaupt nicht leichtgefallen. Wir haben viel unternommen, um die Leute direkt an andere Start-ups zu vermitteln. Sie haben ja einen guten Job gemacht.

Sie selbst haben schon im vergangenen November bei Movinga angefangen, damals noch als Mitgeschäftsführer der beiden Gründer, Bastian Knutzen und Chris Maslowski. Wieso haben Sie nicht früher begonnen, gegenzusteuern?
Ohne Bastian Knutzen und Chris Maslowski wäre die Firma heute nicht da, wo sie ist. Als Gründer muss man den Mut haben, viele Ideen ausprobieren, sonst kann man nicht wissen, ob sie funktionieren. Neue Märkte zum Beispiel, in Frankreich hat das für Movinga ja auch sehr gut funktioniert. Irgendwann muss man dann aber anfangen, die Prozesse zu professionalisieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Und dafür muss man dann vielleicht auch wieder andere Eigenschaften und Erfahrungen mitbringen. Deshalb hatten die Investoren mich gebeten, diesen Prozess mit zu initiieren. Mit der großen Expertise im neuen Management-Team sind wir nun hervorragend aufgestellt für die nächste Entwicklungsphase von Movinga. Wir werden erwachsen.

Die CDU verleiht Ihnen am Dienstag den deutschen Mittelstandspreis, für Ihren Verdienst um die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Was bedeutet soziale Marktwirtschaft für Sie?
Die Freiheit des Marktes hat ihre Grenzen da, wo die soziale Verantwortung beginnt. Die tragen in Deutschland vor allem die mittelständischen Unternehmen als Rückgrat der Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, dass der deutsche Mittelstand die Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels erkennt.

Herr Hänsel, vielen Dank für das Interview.

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