Münchner Studie
Bankenregulierung treibt Kreditkosten hoch

Höhere Eigenkapitalquoten und die Umsetzung des neuen Restrukturierungsgesetzes werden nach Einschätzung von Wissenschaftlern zu Lasten von Unternehmen gehen. Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen werden sich verteuern.
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DüsseldorfMit mehr als 20 Vorschriften wollen die Industriestaaten (G 20) und die EU-Kommission die Finanzinstitute strenger kontrollieren und zwingen, mehr Geld in Reserve zu halten. Doch Leidtragende sind nicht die Banken, sondern die Unternehmen. Das zeigt eine dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) exklusiv vorliegende Untersuchung von Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München, in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). 

Das Ergebnis: Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen werden sich verteuern. Die Kreditkosten steigen.

Wenn sich beispielsweise die Finanzinstitute verpflichten, künftig höhere Eigenkapitalquoten und Liquiditätspolster auszuweisen (CRD III/IV), dürften sich die Refinanzierungskosten für die europäischen Banken im Durchschnitt um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Dabei unterstellt die Studie, dass die Banken künftig eine Kernkapitalquote von elf bis 14,5 Prozent vorhalten. Weiterer Bedarf entsteht aus dem neuen Restrukturierungsgesetz, wonach alle Kreditinstitute jährlich ihren Obolus in einen Krisenfonds einzahlen müssen. Das dürfte die Firmen weitere 0,3 Prozentpunkte kosten.

„Allein aus diesen beiden Initiativen werden den Unternehmen jährlich rund fünf Milliarden Euro zusätzliche Kreditkosten entstehen“, sagt Kaserer. Dabei unterstellt er ein Gesamtvolumen von inländischen Unternehmenskrediten von rund einer halben Billion Euro. Diese Zahl lässt sich aus der Bundesbankstatistik über die Kredite aller inländischen Firmen errechnen.

Doch es gibt 20 weitere Vorhaben, um die Banken stärker an den Kosten künftiger Krisen zu beteiligen. Dazu gehören höhere Einlagensicherungen, die beabsichtigte Finanztransaktionssteuer und europäische Aufsichtsbehörden. Deren Kosten tragen die Banken. Einen Großteil werden sie auf ihre Kunden wälzen, indem sie die Kreditzinsen erhöhen. „Viele Kostensteigerungseffekte lassen sich aber nicht seriös mit einem Preisschild versehen“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Die Gesamtbelastung lässt sich nicht prognostizieren. Sicher ist aber, dass mittelständische und oftmals familiendominierte Firmen stärker unter Druck geraten als Großkonzerne. Nicht weil sie mehr Kredite benötigen, sondern weil sie stärker von den Banken abhängig sind und sich nicht so leicht Kapital an den Finanzmärkten beschaffen können.

Kommentare zu " Münchner Studie: Bankenregulierung treibt Kreditkosten hoch"

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  • Und was sagt uns eine solche Studie nun? Das Handelsblatt sollte vorsichtig sein, solchen Gefälligkeitsgutachten eine Plattform zu bieten.

    Klar ist doch eines: Wenn bisher Banken in ihrer Refinanzierung davon profitiert haben, dass sie im Zweifel vom Steuerzahler gerettet werden, dann steigen ihre Fremdkapitalkosten, wenn man diese Steuerzahlersubvention (zu einem Teil) streicht.

    Wenn man parallel davon ausgeht, dass in der Finanzbranche Wettbewerb herrscht (in D eher zu viel als zu wenig), dann heißt das, dass diese Subvention sich bisher zumindest in großen Teilen auch in niedrigeren Kreditzinsen widergespiegelt hat. Streicht man die too-big-too-fail Subvention, steigen also auch leicht die Kreditzinsen.

    Das ist das 1-Mal-1 der Finanzierungslehre, und keine bahnbrechende Studie. Wir stehen vor der Wahl: Entweder wir wollen künstlich niedrige Kreditzinsen und subventionieren das mit Steuergeldern, oder wir wollen mehr Kapital bei Banken und ein niedrigeres Risiko für die Steuerzahler.

    Es ist geradezu schizophren, wenn im politischen Berlin von SPD, CDU und FDP gefordert wird, die Banken müssten stärker reguliert werden, aber dies dürfe nicht zu höheren Kreditzinsen für die Realwirtschaft führen. Das ist ein Wunschdenken, das nicht erfüllbar sein wird.

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