M&A-Policen
Schwieriger Drahtseilakt

Der Kauf eines Unternehmens birgt große Risiken. Versicherer bieten deshalb spezielle Policen an: Im Falle der Verletzung vertraglich vereinbarter Garantien sieht der Kaufvertrag meist Schadenersatzregelungen vor. Mit der Police kann der Verkäufer diese minimieren und der Käufer sein Risiko begrenzen.

DÜSSELDORF. Jeder, der schon einmal einen Gebrauchtwagen gekauft hat, weiß, dass Verkäufer und Käufer unterschiedliche Interessen haben. Bei einem Unternehmenskauf ist das nicht anders. Das Problem sind auch hier die zugesicherten Eigenschaften – die letztlich den Preis bestimmen. Um bei Fusions- und Übernahmeverhandlungen (Mergers & Acquisitions) die Risiken zu verringern, bieten Versicherer neuerdings spezielle M&A-Policen an. „Dadurch gewinnen beide Parteien Planungssicherheit“, sagt Arndt Reinhard, M&A-Spezialist der AIG in Frankfurt.

Die American International Group (AIG) ist mit einem Umsatz von 113 Mrd. US-Dollar (2006) weltweit der führende Versicherungskonzern. Die Amerikaner sind seit 1946 in Deutschland und haben den hiesigen Markt für Industrieversicherungen durch zahlreiche Innovationen vorangebracht – etwa mit der Einführung einer Manager-Haftpflichtversicherung. Deutsche Anbieter ziehen oft erst Jahre später nach. Bisher ist auch die M&A-Police noch eine Spezialität der AIG und des angelsächsischen Versicherungsmarktes, bestätigen Makler oder auch Konkurrenten wie die Allianz dem Handelsblatt. Eine M&A-Police ist immer eine Spezialanfertigung. Die verschiedenen Spielarten sind entweder auf die Interessen des Verkäufers oder des Käufers zugeschnitten. Im Falle der Verletzung vertraglich vereinbarter Garantien sieht der Kaufvertrag meist Schadenersatzregelungen vor. Mit der Police kann der Verkäufer diese minimieren bzw. der Käufer sein Risiko begrenzen.

Beispiel: Ein Investor will das Unternehmen A für rund 100 Mill. Euro verkaufen. Der Käufer B akzeptiert den Preis unter der Bedingung, dass der Investor ihm einige Garantien im Vertrag zusichert. Das kann eine feste Anzahl von Aufträgen, Kunden oder laufenden Rechtsstreitigkeiten sein. Der Verkäufer akzeptiert im Vertrag diese Garantien, begrenzt seine Haftung jedoch auf 1,5 Mill. Euro. Der Käufer versichert darüber hinausgehende Garantieverletzungen (also ab einer Schadensumme von 1,5 Mill. Euro) bis zum Beispiel 20 Mill. Euro über eine Garantieversicherung. Die kostet im Beispielfall zwischen 650 000 und 750 000 Euro Beitrag. „Wer die Versicherungskosten letztlich trägt, ist Verhandlungssache zwischen Käufer und Verkäufer“, sagt Reinhard.

Die AIG hat von Deutschland aus bisher 15 solcher Deals versichert, vielfach für länderübergreifende Transaktionen. Die Kunden wollen jedoch unerkannt bleiben. „In Großbritannien sind 15 bis 20 Prozent der Deals im relevanten Markt versichert“, schätzt Reinhard. Unter relevantem Markt versteht er Transaktionen in der Größenordnung zwischen 25 Mill. und einer Mrd. Euro. AIG erwartet, dass sich der Markt in Kontinentaleuropa bald ähnlich entwickelt.

Investmentbanker und Berater von M&A-Transaktionen geben allerdings zu bedenken, dass Firmen-Deals meist unter großem Zeitdruck stehen. Die Versicherung müsse aber maßgeschneidert sein. Folge: „Die Evaluierung des Risikos erfordert Zeit, und da wird’s gelegentlich knapp“, erklärt Christoph Küppers, Partner der Kanzlei Lovells, die regelmäßig Unternehmen bei Fusionen und Aufkäufen begleitet. „Die Policen sind nicht in ein bis zwei Tagen von der Stange verfügbar“, räumt auch Reinhard ein. Ein zeitlicher Vorlauf von mindestens fünf Tagen sei ratsam.

M&A-Policen

Garantien: Eine Garantieversicherung deckt Schäden aus der Verletzung von Garantien ab, die der Verkäufer im Kaufvertrag fixiert.

Portfolio-Transfer: Ein ganzes Portfolio von Haftungsrisiken kann auf einen Versicherer übertragen werden.

Steuerhaftpflicht: Etwaige Risiken durch spezifische Steuervorschriften lassen sich bei konkreten Fällen auf den Versicherer übertragen.

Umwelt-Lösung: Unternehmen können sich bei einem Unternehmenskauf oder einer Fusion gegen mögliche Sanierungskosten für Umweltschäden absichern.

Prozessrisiken: Prozessrisiken lassen sich entweder komplett oder in der Höhe begrenzt auf den Versicherer übertragen, ganz gleich ob es sich um einen drohenden oder laufenden Rechtsstreit handelt.

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