Mutmaßlicher Bilanzskandal
Polizei schließt Fall Hess ab

Werden die Ex-Vorstände des Schwarzwälder Leuchtenherstellers Hess angeklagt? Die Polizei hat den Fall abgeschlossen. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft dran.
  • 0

Im Fall der mutmaßlichen Bilanzfälschung beim Schwarzwälder Laternenhersteller Hess hat die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen abgeschlossen. Die Beamten übergaben ihre knapp 500-seitige Ermittlungsakte vor wenigen Tagen der Staatsanwaltschaft Mannheim, wie deren Sprecher dem Handelsblatt bestätigte. Nun würden die Unterlagen ausgewertet. Ob es zu Anklagen kommt, solle sich in den kommenden Monaten entscheiden.

Die Hess AG mit Sitz im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen war Anfang 2013 in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen setzte die damaligen Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler fristlos vor die Tür. Sie sollen im Vorfeld des Börsengangs im Herbst 2012 fingierte Umsätze ausgewiesen und damit gegen Bilanzierungsregeln verstoßen haben. Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe als falsch zurück. Neben Hess und Ziegler standen zuletzt noch fünf weitere Personen im Fokus der Ermittler.

Laut Staatsanwaltschaft bestand der dringende Verdacht, dass Hess und Ziegler 2011 und 2012 falsche Zwischen- und Jahresabschlüsse für die Hess AG abgegeben haben. Der niederländische Finanzinvestor HPE soll beim Börsengang wegen geschönter Zahlen 3,6 Millionen Euro verloren haben. Die Ex-Vorstände sollen die BW-Bank und die Commerzbank über die Lage ihrer Firma sowie die Verwendung von Krediten getäuscht und so um 4,5 Millionen Euro geschädigt haben. Schließlich sollen sie beim Kauf eines Grundstücks und beim Erwerb von Aktien rund 1,1 Millionen veruntreut haben. Die Beschuldigten haben die Vorwürfe mehrfach bestritten.

Kurz nach dem Rauswurf der Ex-Vorstände meldete die Hess AG Insolvenz an. Im Herbst 2013 übernahm der niederländische Lichtkonzern Nordeon den Geschäftsbetrieb des Unternehmens. Von der alten Aktiengesellschaft existiert nur noch die Hülle. Bei Insolvenzverwalter Volker Grub meldeten Gläubiger bislang mehr als 100 Millionen Euro Forderungen an.

Kommentare zu " Mutmaßlicher Bilanzskandal: Polizei schließt Fall Hess ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%