Mittelstand
Nach GmbH-Reform droht Pleitewelle

Das Mindestkapital von Gesellschaften mit beschränkter Haftung soll nach dem Willen der Justizministerin auf 10 000 Euro gesenkt werden. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform warnt davor. Die Zahl der Insolvenzen werde steigen.

HB DÜSSELDORF. Den düsteren Ausblick zeichnete am Freitag der Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Konjunkturforschung bei Creditreform, Michael Bretz. Je niedriger das Haftungskapital liege, umso höher sei das Insolvenzrisiko. Analysen von Creditreform hätten ergeben, dass GmbHs mit einem Haftungskapital von mehr als 506nbsp;000 Euro seltener Pleite gingen als GmbHs mit dem bisherigen Mindeststammkapital von 25 000 Euro.

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte am 29. April einen Entwurf zur Neuregelung des Mindestkapitals im GmbH-Recht vorgelegt, der eine Absenkung des Mindeststammkapitals von derzeit 25 000 auf 10 000 Euro vorsieht. Stichtag ist der 1. Januar 2006. Dadurch will Zypries nach eigenen Angaben Neugründungen anregen und die Attraktivität der GmbH-Rechtsform stärken. Zuletzt waren viele Kleinunternehmer in die Rechtsform der britischen Limited ausgewichen.

„Eine Absenkung des Mindestkapitals mag quantitativ das Gründungsgeschehen in Deutschland anregen, die Qualität und Seriosität der Gründungen und mit ihr die Bonität der gegründeten GmbHs wird dagegen abnehmen“, prophezeite Creditreform-Geschäftsführer Volker Ulbricht.

Die Leidtragenden der Entwicklung würden die Gläubiger sein. 2004 waren in Deutschland 39 000 Firmen Pleite gegangen, für dieses Jahr erwartet Creditreform erneut 38 000 bis 40 000 Insolvenzen. In Verein Creditreform haben sich Unternehmen zusammengeschlossen, um durch Informationen über Geschäftspartner genau dieses Ausfallrisiko zu minimieren.

Die Wirtschaftsauskunftei geht davon aus, dass Deutschland einen europäischen Wettbewerb um möglichst niedrige Haftungsanforderungen ohnehin nicht gewinnen könne. Besonders die britische Rechtsform der Limited, die nur ein Mindestkapital von einem britischen Pfund (rund 1,42 Euro) voraussetzt, wird bei Kleinunternehmern in Deutschland immer beliebter.

Nach Angaben von Creditreform wurden bei der britischen Eintragungsstelle im ersten Halbjahr 2004, dem zuletzt erfassten Zeitraum, 8314 deutsche Geschäftsführer für Limited-Unternehmen eingetragen. Dies entspreche etwa 7000 Unternehmensgründungen. Im gleichen Zeitraum wurden in Deutschland 30 596 GmbHs eingerichtet. Das heißt: Schon damals ist jede vierte von einem Deutschen gegründete Kapitalgesellschaft eine Limited gewesen.

Insgesamt wurden Schätzungen zufolge seit März 2003, als ein Urteil des Bundesgerichtshofes die Rechtsform der Limited in Deutschland ermöglichte, zwischen 15 000 und 18 000 Unternehmen mit der britischen Rechtsform in Deutschland gegründet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%