Nachfolge
Das Handwerk hat ein Imageproblem

Ob Stuckateur, Bäcker oder Raumausstatter - alle Handwerkszweige eint ein Problem: Wollen Firmenchefs in den Ruhestand gehen, steht ihnen eine schwierige Suche nach einem Nachfolger bevor.

StuttgartSeit 45 Jahren ist Bodo Mewes als Raumausstatter tätig, nun soll Schluss sein. Der 72-Jährige verlegt Parkett und Vinyl, bringt Vorhänge und Jalousien an. „Wir machen Räume schöner“, so der Slogan seiner Firma bei Stuttgart.

In den 1990-er Jahren hatte Mewes sechs Mitarbeiter, inzwischen ist er allein. Er will den Laden abgeben, das Werkzeug verkaufen, die Kundenkartei übergeben. „Meine Frau und meine Familie wollen noch was von mir haben - wir wollen in Urlaub fahren, uns um die Enkel kümmern.“ Seit 2012 sucht er einen Nachfolger - bislang vergeblich.

Das ist beispielhaft für ein Problem im Handwerk, das an Schärfe zunimmt. Bis 2020 soll fast jede fünfte Firma übergeben werden, deutschlandweit suchen 180 000 Betriebsinhaber einen Nachfolger. Man brauche dringend Handwerker mit Unternehmergeist, sagt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. „Ihre Karrierechancen sind ausgezeichnet, denn in allen Bereichen brummt die Konjunktur.“

Doch mit der Karriere ist das so eine Sache. In großen Firmen sind die Aufstiegsmöglichkeiten klar erkennbar, das Einkommen ist einigermaßen sicher, der Job relativ vielfältig. Wer einen Handwerksbetrieb übernimmt, ist selbst Chef. Viel Verantwortung, die Arbeitszeit ufert aus, eigentlich ist nie Urlaub - weil man ja immer in der Pflicht steht.

Wer will das schon? Nur wenige, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young belegt. Auf die Frage, welcher Bereich für ihre beruflichen Pläne besonders attraktiv ist, antworteten nur sechs Prozent von 4300 Studenten in Deutschland: das Handwerk. Hinter Konzernen, Mittelständlern und dem öffentlichen Dienst ist das Handwerk mit großem Abstand Schlusslicht.

Zugegeben: Die Umfrage hinkt insofern, als viele Handwerker nicht studiert haben. Sie ist dennoch ein Indikator, dass das Handwerk aus Sicht vieler junger Leute alles andere als Traumjobs bietet.

Ein weiteres Problem ist der demografische Wandel. Dies belegt auch eine Analyse der Bertelsmann Stiftung, derzufolge die Zahl der Azubi-Bewerber seit Jahren sinkt - besagte Bewerber sind ja auch die Handwerkschefs von übermorgen. „Es gibt insgesamt weniger Bewerber, und von den wenigen gehen mehr ins Studium“, sagt Bertelsmann-Experte Lars Thies.

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