Nachfolge im Mittelstand
Deutschland sucht die neuen Firmenchefs

Demografiewandel, Konjunkturflaute und Kreditklemme bedrohen den Fortbestand zehntausender deutscher Unternehmen. Der Mittelstand sucht händeringend nach qualifizierten Fachkräften - für den Chefsessel.
  • 3

DüsseldorfDie Schuldenkrise in Europa hat sie bundesweit bekannt gemacht – und den Sorgen des Mittelstandes ein neues Gesicht gegeben. Marie-Christine Ostermann (33), Juniorchefin des Lebensmittelgroßhändlers Rullko im westfälischen Hamm, ist als Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“ Stammgast in Talkshows. Dort sitzt sie Merkels Parteisoldaten wie CDU-Fraktionschef Friedrich Kauder gegenüber und sorgt mit knackigen Zitaten für Aufsehen. Kostprobe: „Es ist ein Menetekel für künftige Generationen, wenn unser Land heute Milliarden-Risiken schultern muss, um Schuldenstaaten unter die Arme zu greifen.“ Unentwegt redet sie gegen gigantische Rettungspakete an und warnt vor den Risiken und zukünftigen Belastungen für die deutschen Familienunternehmen.

Es sind durchaus berechtigte Warnungen. Schon jetzt ist der Fortbestand zehntausender Mittelstandsbetriebe ungewiss: Vielen kleinen und mittelgroßen Firmen gehen schlichtweg die Chefs aus. Die Frankfurt School of Finance and Management widmet dem hochaktuellen Thema „Unternehmensnachfolge im Mittelstand“ deshalb am Mittwoch (16. November) eine Branchenkonferenz.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn schätzt, dass bis 2014 jährlich in gut 22.000 Unternehmen ein Nachfolger die Geschäftsführung antreten muss, weil der aktuelle Chef aus Altersgründen abtritt oder unerwartet – durch Tod oder Krankheit – ausfällt. Gesellen sich zum demografischen Wandel dann auch noch schlechtere gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, stehen etliche Übernahmen auf der Kippe.

Schon jetzt zeigt die Schuldenmisere ihre Auswirkungen. Einerseits kühlt sich die Konjunktur in Deutschland merklich ab, zum anderen beeinträchtigt die Krise nachhaltig die Kreditvergabe der Banken. Die nächste Reform der Bankenregulierung („Basel III“), wird es Mittelständlern spätestens ab 2013 deutlich erschweren, an klassische Kredite zu kommen. Weniger als die Hälfte aller Übergaben geht familienintern über die Bühne. Laut aktuellem DIHK-Report sind Probleme bei der Finanzierung aber bereits jetzt für die Mehrheit der familienfremden Kandidaten (59 Prozent) die größte Hemmschwelle , die ein Unternehmen  übernehmen wollen. „Fehlendes Eigenkapital ist der häufigste Grund für das Scheitern einer externen Nachfolge“, bestätigt IfM-Expertin Nadine Schlömer-Laufen.

Diese Sorge hat Marie-Christine Ostermann als Erbin ihres Vaters nicht. Dennoch weiß sie um die vielfachen Probleme bei der Nachfolge-Regelung. Dass sie die Nachfolge ihres Vaters bei der 1923 gegründeten Rullko GmbH - mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro spezialisiert auf die Belieferung von Großküchen in Altersheimen und Krankenhäusern - antreten würde, war beileibe kein Selbstläufer.

Kommentare zu " Nachfolge im Mittelstand: Deutschland sucht die neuen Firmenchefs "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • zuerst mal ,wie wurde denn die zahl der unternehmen ohne nachfolger erhoben
    welche branchen
    wie leistungsfähig
    wie im markt platziert
    wirtschaftliche lage
    kaufpreisvorstellung
    was is cheffe fürn mensch ,kann erloslassen


    mir is keine unternehmung bekannt,die der nachfolge wegen schließt und wenn die kinder vom chef vons janze das weite suchen hat der meester was falsch gemacht im wohnzimmer und im büro.

    hier werden wieder abziehbilder gehandelt.

    frau ostermann kommt denk ich in die talk shows,weil sie halt drauflosschnattert und stimmung in die bude bringt.
    wenn die olle da is wirds selten langweilig.

    was sie vorträgt is halt immer recht platt,aber lieber gott, wo solls herkommen, gastronomie is doch eh n gauklergeschäft...

  • An alle Chefs und Politiker!

    ...und unsere Kinder kündigen und verlassen das Land.

    Vielleicht denkt mal einer darüber nach, warum das so ist und hat dann natürlich die Lösung und ein zukunftsfähiges Deutlandkonzept!!!!!!!

    So läuft es jedenfalls offensichtlich nicht....., zumindet nicht für unseren Nachwuchs.

    Zukunft Deutschland bisher: Schwere demographische Probleme, damit Probleme in den kompletten Sozialkassen von der Rentenversicherung bis hin zur Pflege...
    Frage: Wer will denn in Zukunft bis 70 arbeiten und dann ein Bürgergeld(?) mit 650 bis 700 Euro kassieren und dafür 45 Jahre -wenn überhaupt- arbeiten. Ganz ehrlich! Ich würde das auch nicht tun! Ganz sicher nicht!

    Hohe Steuerlast: Von den letzten verdienten Euros wird der Spitzensteuersatz bezahlt und die Hälfte kassiert dann der Fiskus und die Sozialkassen. Na dann..
    Gute Motivation übrigens...

    Integration, insbesonder Städten und Ballungsgebiet nicht nur eine Fehlanzeige, sondern eine "Grande Catastroph".
    Erfahrungen haben wir viele gemacht und garantiert keine Positiven. Das könnte man wahrlich auch ganz anders ausdrücken und wäre mit "Grande Catastroph", weißt Du.... sehr vornehemlich umschrieben... weißt Du....

    Und mit diesen Zeilen weiß jeder Leser eigentlich was und wie ich es meine. Aber.....

    Genau darum geht es u.a. auch. Man könnte noch schreiben und sich auslassen. Nur ändern wird man es nicht mehr in Deutschland.

    Und deswegen heißt es einfach

    Bye

    Arbeit und sozialer Abgrund kostet den Steurzahler jeden zweiten Euro. Welche Zukunft liegt hier? Und wenn nur 3-4% in Bildung fließen fehlt hier jegliche Zukunftsorientierung in Deutschellaaande und vor allem fehlt es dank der Politik und den hiesigen schwachen Führungskräften daran ihre Mitarbeiter und Bürger zu motivieren. Genau das Gegenteil scheint hier der Fall zu sein, oder irre ich mich hoffentlich! Aber ich glaube eher nicht!

  • Schön dass Sie hier das Beispiel von Frau Ostermann bringen. Sie mag inzwischen eine erfolgreiche Unternehmerin sein. Mehr aufgrund ihrer Durchsetzungsfähigkeit als aufgrund ihres Sachverstandes. Aber auch das ist ja eine Qualität. Von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen und politischen Zwängen hat Sie aber keine Ahnung. Es gibt wenige Gesichter aus der deutschen Wirtschaft, die in Talkshows auftreten und wo man sich so fremdschämen muss wie bei Frau Ostermann. Warum gibt es Staatsverschuldung, wie wirken Volkswirtschaften aufeinander ein, was sind Basel I, II oder III und wo haben sie ihren Ursprung, wie sieht eigentlich das Bankgeschäft aus? All diese Themen hat Frau Ostermann auch nicht ansatzweise durchdrungen. Ihr einziges Credo immer aufs neue ist: "Wir dürfen den folgenden Generationen nicht noch mehr Schulden aufbürden". Ja Recht hat Sie. Aber wenn man sie nach dem Urspung und den Konsequenzen fragt, versteigt sie sich in Allgemeinplätzen und populistischen Stellungnahmen." Ich gewinne mehr und mehr den Einduck, dass Sie die Materie einfach nicht versteht. Damit eignet sie sich auch keinesfalls um eine junge Generation in der öffentlichen Diskussion zu vertreten, zu der ich mich auch zählen darf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%