Nachfolge-Regelung
Unternehmer müssen loslassen können

Viele Firmeninhaber verdrängen die Entscheidung über ihre Nachfolge. Der Alleinunternehmer an der Spitze ist emotional stark mit der Firma verbunden – da fällt der Abschied schwer. Doch gerade mit diesem Verhalten werden Chancen für eine erfolgreiche Übergabe vergeben.

DÜSSELDORF. Wolfram Birkel erinnert sich noch gut daran, wie elegant und behutsam ihn sein Vater vor 35 Jahren auf die Führung des familieneigenen Unternehmens vorbereitet hat. Nach und nach übertrug er ihm Verantwortung bei dem Nudelhersteller, wenige Jahre später konnte Birkel problemlos die ganze Führung übernehmen.

Diese Erfahrung ist dem heute 63-Jährigen Ansporn, denn er baut gerade seinen Nachfolger auf. Nicht bei Birkel, die Familie hat den Nudelhersteller 1989 verkauft. Aber bei der von ihm gegründeten Unternehmensgruppe, zu der der Hit-Technologiepark in Hamburg gehört.

„Es prägt, wenn man selber einmal Junior war“, sagt Birkel. Immerhin kann er sich zu den Unternehmern zählen, die in der Familie einen geeigneten Kandidaten finden. Sohn Christoph, 34 Jahre alt, führt seit Mai die Geschäfte bei dem Technologiepark mit, leitet Projekte beim Ausbau und führt Gespräche mit den 60 im Campus ansässigen Firmen. „Eine Nachfolge muss man früh anstoßen“, sagt er. „Und man muss als Senior vor allem bereit sein, vom Geschäft zu lassen.“

Das schaffen nicht alle Unternehmer in dem Alter. Viele schieben die Entscheidung über die Nachfolge vor sich her. „Weil sie fürchten, in ein Loch zu fallen, und weil sie sich auch bei fortgeschrittenem Alter als einziger Garant für den Unternehmenserfolg sehen“, beobachtet Dietrich Reinhardt, ein erfahrener Experte für Familienunternehmen bei der Beratungsgesellschaft Kap 1.

Rund 70 000 Unternehmen stehen jährlich zur Übergabe an, dazu zählt allerdings jeder Friseursalon und Kiosk. Doch allein in der von größeren Firmen geprägten Industrie wird es nach Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie bis zum Jahr 2011 mehr als 20 000 Betriebsübergaben geben. „Aktuell hat aber etwa die Hälfte der 50- bis 59-jährigen Unternehmer noch keine Entscheidung über die Nachfolge getroffen“, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank.

Gerade der Nachkriegsgeneration, die viele erfolgreiche Firmen aufgebaut hat, fällt dies schwer: Der Alleinunternehmer an der Spitze ist emotional stark mit der Firma verbunden. Für ihn ist eine Entscheidung über die Nachfolge eine der größten Herausforderungen.

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