Nachfolgelösung
Wenn Mittelständler stiften gehen

Eine Stiftung einzurichten, wird für immer mehr Mittelständler zu einer attraktiven Möglichkeit, ihre Nachfolge zu regeln und sich außerdem gemeinnützig zu engagieren. Doch sinnvoll ist das nicht in jedem Fall.
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FrankfurtDie Schlagzeilen klangen dramatisch: „Die Kinder gehen leer aus“ und „Stiftung statt Erbe“ – so titelten viele Medien, als Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, im August 2010 verkündet hatte, seine Unternehmensanteile an eine Stiftung zu übergeben. Er wollte die Zukunft seines Lebenswerks sicherstellen: „Ich habe meine Anteile am dm-Drogeriemarkt in eine Stiftung eingebracht, damit das Unternehmen auf lange Sicht im Sinne meiner unternehmerischen Intention weitergeführt werden kann.“

Wie Werner geht es vielen Familienunternehmern in Deutschland. Nach Angaben des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) steht bis 2014 jährlich in 22 000 Familienunternehmen die Übergabe an. Einen geeigneten Firmenchef in den eigenen Reihen zu finden, ist oft schwer. Entscheidet sich der Unternehmer für einen familienfremden Geschäftsführer, will er trotzdem die Zukunft gesichert sehen.

Gleichzeitig haben viele erfolgreiche Unternehmensgründer anscheinend das Bedürfnis, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. „Immer mehr Unternehmer bringen Firmenanteile in Stiftungen ein, um die Nachfolge zu regeln und sich gemeinnützig zu engagieren“, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Mehr als 18 100 Stiftungen gibt es hierzulande, 96 Prozent davon sind gemeinnützig. „Die Zahl der Stiftungen in Deutschland verdoppelt sich derzeit alle zwölf Jahre“, erklärt Fleisch. Eigentlich eine gute Sache, finden Experten. Doch sie fordern, dass sich das Stiftungswesen professionalisieren soll.


„Man sollte genau schauen, ob das Instrument der Stiftung geeignet ist“, meint Michael Endres, ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, bis Ende vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und seitdem Mitglied des Kuratoriums. Das kann Stiftungsexpertin Claudia Weissflog von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Falk & Co. nur unterstreichen: „Der Stifter muss über die Ziele, die er mit der Stiftung verfolgt, gründlich nachdenken.“

Denn: Stifter übertragen das Vermögen zeitlich unbegrenzt. Die Satzung zu ändern, ist schwierig. Die Form der Stiftung hängt davon ab, welches Ziel der Unternehmer verfolgen will.

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