Nachfolgeregelung in Deutschland wird Thema: Credit Suisse will Unternehmer beraten

Nachfolgeregelung in Deutschland wird Thema
Credit Suisse will Unternehmer beraten

Die Schweizer Großbank Credit Suisse will sich in Deutschland und anderen europäischen Kernmärkten stärker um die Betreuung mittelständischer Unternehmer kümmern. Wie der Leiter des Privatkundengeschäfts für die Länder Deutschland, Österreich und Luxemburg Michael Rüdiger im Handelsblatt-Gespräch ankündigte, sollen künftig verstärkt Unternehmenschefs von Firmen mit einem Wert ab zehn Mill. Euro angesprochen werden. Ihnen will die Bank Finanzierungsquellen zugänglich machen, für sie nach Investoren Ausschau halten und sie in erster Linie bei Nachfolgeregelungen beraten.

ZÜRICH. Das Team der 150 Kundenberater in Deutschland wird deswegen jetzt um zehn Prozent aufgestockt. Die Schweizer sind auf dem Beratermarkt nicht allein unterwegs. Laut einer Untersuchung des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung nutzen Unternehmer von Firmen bis zu einer Größenordnung von etwa 1 000 Mitarbeitern vor allem den eigenen Steuerberater oder Anwalt als Informationsquelle. Nur acht Prozent wenden sich an ein Kreditinstitut, wobei die Hausbank dabei die größte Rolle spielen dürfte. Das Thema Unternehmensnachfolge, so stellt der ehemalige Leiter des Forschungsinstituts Gunter Kayser fest, hat besondere Relevanz: Im vergangenen Jahr hat es bundesweit knapp 71 000 Unternehmen gegeben, für die nach einem Nachfolger gesucht wurde. Knapp die Hälfte davon wurde von Familienmitgliedern übernommen, 15 000 wurden verkauft, der Rest ging an externe Führungskräfte, Mitarbeiter oder wurde stillgelegt.

Die Credit Suisse glaubt nun, dass dieser Markt genau zu ihrer so genannten „Eine-Bank-Strategie“ passt, die die Dienstleistungen aus der privaten Vermögensberatung, der Betreuung institutioneller Kunden und den Diensten der Investmentbank zusammenfasst. Im konkreten Fall heißt es, dass sie vermögende Unternehmer, die sie im Privatkundengeschäft sowieso schon betreut, nun auch professionell beraten will, wenn es etwa um die Unternehmensnachfolge geht. „Damit“, sagt Rüdiger, „wollen wir eine Nische zwischen dem Private Banking und dem Firmenkundengeschäft besetzen.“ Die Trennung beider Geschäftsbereiche werde der unternehmerischen Realität nicht gerecht.

Außer in Deutschland wollen die Schweizer dieses Konzept auch in anderen Märkten wie Frankreich, Spanien und Italien umsetzen. Angesiedelt wird die Unternehmensberatung im Bereich des Privatkundengeschäfts. Hier hat die Bank laut ihren jüngsten Geschäftszahlen im vergangenen Jahr den Vorsteuergewinn um 16 Prozent auf 4,6 Mrd. Franken (2,9 Mrd. Euro) erhöht und etwa die Hälfte ihres Jahresgewinns erzielt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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