Nachgefragt bei: Oliver Percovich.
„Auf dem Skateboard sind alle gleich“

Der 34-jährige Deutsch-Australier Oliver Percovich baut in Afghanistan Skateschulen auf. Mitglieder sämtlicher ethnischen Gruppen nutzen das Sportgerät – auch junge Mädchen trauen sich auf die Skateboards. Sein Projekt stellt Percovich nun auf der Ispo in München vor.

Skateboardschulen in Afghanistan? Was soll das denn dort bewirken?

In Afghanistan gibt es viele ethnische Gruppen, die bisher keinen Kontakt untereinander haben. In den Skateboardklassen kommen Kinder aller Gruppen und Schichten zusammen. Auf dem Skateboard sind alle gleich.

Es gibt auch erstaunlich viele Mädchen, die auf dem Brett stehen.

Frauen dürfen in Afghanistan keinen Männersport machen, nicht einmal Fahrrad fahren. Skaten ist aber so neu, dass sie es dürfen - wenigstens bis zur Pubertät gibt es ihnen einen Freiraum.

Skaten ist bei uns Jugendkultur. Bildet sich so etwas auch in Afghanistan?

Absolut nicht. Das wäre auch das Letzte, was wir erreichen wollen. Das Skateboard ist ein Werkzeug, ein Sportgerät, um Spaß zu haben. Wenn hier westliche Rollenmodelle greifen würden, dann hätten wir zum Beispiel nicht so einen hohen Frauenanteil. Aber Heranwachsende versuchen, sich von alten Denkweisen zu lösen, und das Skateboard kann natürlich dazu beitragen, dass sie eine eigene Identität entwickeln.

Sie haben den Brand New Award der Sportmesse Ispo gewonnen. Bringt das Ihr Projekt Skateistan vorwärts?

Wir bekommen einen Messestand und haben so die Möglichkeit uns ab morgen zu präsentieren. Jede Marke würde Nutzen aus so einer Platzierung ziehen. Ich denke, es wird Skateistan populärer machen. Der Preis wird für neue Marken vergeben und wir verstehen Skateistan als soziale Marke. Eine Marke kann gerade bei jüngeren Menschen mehr Aufmerksamkeit erregen.

Firmen wie der Skateboardhändler Titus oder der Logistiker DHL unterstützen Skateistan. Aber wie finanzieren Sie Ihre ehrenamtliche Arbeit?

Der Löwenanteil der Spenden kommt aus Deutschland, das Auswärtige Amt ist unser größter Sponsor. Die norwegische Botschaft hat ein kleines Gehalt für mich bereitgestellt, aber ich stecke das meiste davon ins Projekt. Wir haben sehr geringe administrative Kosten. 2008 lagen sie bei 7 000 Dollar.

Welche Unterstützung fehlt noch?

Wir brauchen 140 000 Dollar Spenden für einen Skatepark in Kabul. Wir versuchen auch, vor Ort Geldgeber zu finden.

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