Nachgefragt: Frommann: „Ohne staatliche Förderung läuft nichts mehr“

Nachgefragt
Frommann: „Ohne staatliche Förderung läuft nichts mehr“

Das Handelsblatt spricht mit Holger Frommann über die Stimmung auf dem Markt für Wagniskapital. Frommann ist Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Handelsblatt: Herr Frommann, wie schätzen Sie momentan die Stimmung auf dem Markt für Wagniskapital ein?

Frommann: Ich glaube, die Stimmung hat sich gebessert. Im vergangenen Jahr setzten sich langsam die Optimisten durch. Bei den so genannten Frühphasenfinanzierungen, die sehr junge Technologieunternehmen umfasst, stehen wir aber weiter vor großen Herausforderungen.

In der Tat kommen Jungunternehmer und Gründer derzeit nur schwer an Risikokapital. Warum?

Bei extrem jungen Firmen oder Gründern halten sich die Geldgeber derzeit zurück; wir beobachten eher zaghafte Engagements. Das liegt auch an der verbreiteten Risiko-Aversion in Deutschland. Viele Investoren erinnern sich noch an die Zeit des Internetbooms, in dem sich viele die Finger verbrannt haben. Deshalb investieren institutionelle Investoren aus Deutschland lieber in ausgereifte Industrien oder Buyout-Fonds, die ihre Renditen aus Firmenübernahmen und dem späteren Weiterverkauf der Unternehmen erzielen.

Sind die Geschäftsmodelle der Jungunternehmer nicht ausgereift?

Das kann man heute nicht mehr sagen. Die Business-Pläne der Unternehmer werden immer besser, sagen unsere Verbandsmitglieder. Die Ideen sind viel ausgereifter als noch während der Internet-Euphorie.

Die steuerlichen Rahmenbedingungen haben sich verbessert. Was kann die Politik noch tun?

Ja, der Gesetzgeber hat reagiert und wesentliche Verbesserungen eingeleitet. Jetzt darf man die Hände nicht in den Schoß legen. Es fehlt beispielsweise immer noch eine endgültige Rechtssicherheit, wann ein Beteiligungsfonds als vermögensverwaltend oder gewerblich eingestuft wird. Dieser Unterschied hat für die Branche erhebliche Bedeutung bei der Steuerlast.

Auf EU-Ebene, aber auch von der KfW, sind Gründerprogramme aufgelegt worden. Ist das mehr als der Tropfen auf den heißen Stein?

Wir müssen einsehen, dass in den Gründungsphasen der Firmen heute ohne staatliche Förderung nichts mehr läuft. Die privaten Beteiligungsfonds, die sich auf die Finanzierung von Innovationen spezialisiert haben, können die Aufgabe alleine nicht bewältigen. Deshalb sind die Initiativen – etwa der europäische Dachfonds oder der KfW-Startfonds – zu begrüßen. Das ist das eine – wichtig ist aber vor allem ein positives Klima für Gründer.

Wie sieht das aus?

Dazu gehört der Abbau von Bürokratie und die Kultur der „zweiten Chance“ für Unternehmer. Wer einmal gescheitert ist mit einer guten Idee, sollte nicht vom Markt ausgesperrt werden. Und wir brauchen mehr Wissenschaftler, die in der Selbstständigkeit Karriere machen wollen. Solchen Forschern sollten wir auch den Zugang zu Beteiligungskapital ebnen.

Behindern solche staatlichen Initiativen nicht die privaten Geldgeber?

Prinzipiell bin ich für marktwirtschaftliche Lösungen. Bei der Finanzierung der „Start-ups“ reicht das private Engagement momentan aber nicht aus.

Viele Beteiligungsfonds sammeln in diesem Jahr frische Mittel bei institutionellen Investoren ein. Sind die Taschen der Versicherer und Pensionskassen zugeknöpft?

Jein. Etliche Versicherer und Pensionskassen sind nach wie vor defensiv eingestellt und halten sich bei den Fonds für Wagniskapital zurück. Andererseits gehen die Verwalter öffentlicher Kassen und auch wohlhabende Privatleute in den Markt. Einige Versicherungskonzerne haben angekündigt, sie wollten ihre Anlagen in Private Equity, also außerbörsliches Beteiligungskapital, von einem auf vier Prozent ihrer Anlagen erhöhen. Angesichts der Milliardensummen, die von den Versicherern verwaltet werde, sind das große Beträge.

Die Fragen stellte Peter Köhler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%